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Die Revolution frisst ihre Kinder….

Als Lehrer ist man ja gehalten ein wenig Selbstrefektion zu üben. In dem Sinne, “Was habe ich getan, was habe ich erreicht, und was muss ich verändern.” Ich will mal Tag acht nach meinem verhängnisvollem #Tweet Revue passieren lassen. Was habe ich gemacht? Ich habe in meinem Wohnzimmer Twitter relativ maulig mich dazu geäußert, dass ich diese “kommissarische” Einsetzung von Andrea nicht gut heißen kann.

Selbstreflektion:

Was habe ich getan?

Dann, einen Tag später in meiner nicht öffentlichen Facebookseite das Ganze etwas weniger maulig wiederholt. Ein Statement, das sich an die Ortvereine richtet. Na ja, hab ich ja gestern ausführlich in meinem Blog erklärt.

Was habe ich erreicht?

Viel. Vieles, was ich wollte, zu viel was ich nicht wollte.

  • Als erstes habe ich erreicht, dass innerhalb der Partei diskutiert wird. Ich mag Diskussionen.
  • Es kandidieren nun bereits zwei weitere Menschen, die mit Sicherheit um Längen schlauer und erfahrener (dickfelliger) sind als ich.
  • Ich stehe auf einmal überall in der Zeitung, teils vorteilhaft, teils unvorteilshaft (Nun, einen professionellen Fotografen hab ich ja nicht, und schon gar niemanden der im Chaos meines Rechners in 2 Minuten ein brauchbares Bild findet.)
  • Man redet mit mir. Das ist gut, birgt aber Gefahren, da ich aus meinem Herzen keine Mördergrube mache.
  • Man mailt mir. Ich bekomme gern Post. Was ich aber nicht mag ist, wenn ich keine Zeit zum Antworten habe.  Es ist mir wichtig mit jemand zu reden, wenn er mich schon anschreibt.
  • Man beschimpft mich. Nein, das tut weh, weil es mir an die Nieren geht. Mit welchem recht beschimpft man fremde Menschen die man nicht kennt? Ihr tut mir weh, und es wäre nett, wenn ihr das lassen könntet.

Was habe ich daraus gelernt?

Auf jeden Fall sind die in der Presse erwähnten “Chaostage” ein wenig inszeniert. Ob sich die Presse, oder die Welt wirklich nach so viel Durcheinander sehnt weiß ich nicht. Vor ein paar Jahren wäre es scheiß egal gewesen ob ein Studienrat aus Heide sagt, dass er sich auf einem Bundesparteitag zur Wahl stellt. Niemand hätte das auch nur als Randnotiz wahrgenommen. Ich wäre dann wahrscheinlich einfach wieder unter “meinen Stein gekrochen” ( Zitat aus einer liebevollen Mail eines Freundes der SPD).

Aber in den heutigen Zeiten bist du 24h nach Bekanntwerden einer solchen Äußerung in allen Medien. Leute, habt ihr nichts wichtigeres zu tun? In Amerika starben heute wieder Menschen, und ich bin fassungslos. Das beschäftigt mich. Da hab ich keine Lust mir Gedanken zu machen, wer da irgendeine Sau braucht, die er durch das Dorf treiben kann.

Seit ewigen Jahren twittere ich vor mich hin. Wenn ich mich freue, wenn ich sauer bin… egal, ich hau alles raus. Es ist ein ausgewogenes Verhältnis. Ich kann alles lesen, allen antworten. Sogar zeit zum Lesen meiner TL (neumodisch für Timeline) hab ich. Zu Geburtstagen gratulieren. Hier gute Besserung wünschen, da ein wenig politisch sticheln… Alles Vergangenheit. Eine Stunde nicht auf das Smartphone geschaut, schon steht da 99+ bei den Mentions. Da bleibt nur durchscrollen und ein paar Herzen verteilen. Leute, das will ich nicht.

Wenn ich Facebook aufmache und meinen persönlichen Account und die Gruppen durchforste, dann springen mir leider die würzigen Beiträge der Häme entgegen. Natürlich bekomme ich auch liebe Worte. Aber ausschließlich von Menschen die mich wirklich kennen. Der Rest liest sich entweder überheblich, oder abfällig. Ist das wirklich die Gesellschaft heute? Oh man. Ich glaube ich lebe zu lange in meiner “Filterblase” (Heimat, Umfeld in diesem Fall).

Mails trudeln hier ein. Ist ja heute schon normal, dass jeder Mensch für sich das Recht raus nimmt seinen Gedanken in Mails an alle Adressen die er erwischen kann freien Lauf zu lassen. Einige Mails habe ich lieber nach dem lesen gelöscht. Nicht, weil ich nicht antworten wollte, ich konnte es nicht, denn ich musste den Inhalt erst einmal verdauen. Meine Gedanken kreisten um Erziehungsfragen, Anstand und gegenseitigen Respekt. Würgereflex….

Das Telefon ist genau so ein komisches Instrument. Jo, ich hab meine Nummer im Netz. Wie soll ich sonst für die Wählerinnen und Wähler in meinem Wahlkreis da sein? Nun, jedenfalls gehe ich ran, wenn es klingelt… Nein, ich bin kein Sorgentelefon für alle Probleme der Welt. In Dithmarschen würde man sagen “Mir wächst kein Gras aus der Tasche”. Sicher höre ich gern zu, aber ich bin nicht Google. Wer auf alles eine Antwort haben will, der muss bei Kai anrufen. Doch spätestens, wenn man mich am Telefon anpöbelt ist bei mir der Bock fett. Echt, das muss nicht sein. Das will ich nicht. Wäre lieb, wenn man sowas lässt.

Ich bin im Moment nix in diesem Land. Ich bin nicht wichtiger als unser Bäcker oder sonst wer. Ruft ihr den an?

Letzter Satz: Siehe Titel.

(Und an den netten Menschen, der mir meine mangelnden Deutschkennnisse und fehlende Vorbildfunktion vorhielt, wenn sie Fehler finden, behalten Sie die gern.)

4 Antworten auf „Die Revolution frisst ihre Kinder….“

Das du so sauer bist, liegt jetzt aber an wem?
Kandidierst du denn jetzt nicht mehr für den SPD-Vorsitz?
Ich dachte, dass hättest du vor.

Meinst du, du hättest den Druck (das hört sich nach fiesem Druck an) gekriegt, weil du maulig und weniger maulig über Andreas Kandidatur geschrieben hast?

Das wäre allerdings ein Ding.
Es geht letztlich um die Unversehrtheit des Meinungsäußernden, dich hat, glaube ich das gleiche getroffen, was jeder Journalist jeden Tag erleben muss.

Ich hoffe, du bleibst Twitter treu und deinem Ziel bei der SPD!

Alles Liebe, Gabriele Flüchter Berlin

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