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Allgemein Pressemitteilung

Ene Mene Muh und raus bist DU! Abschied auf Raten!

Nun ist die Zeit im Landesvorstand zu Ende. Ich bin gegangen. Ja, ich hab’ nicht bis zum Ende der Wahlzeit gewartet, sondern ich habe frühzeitig “hingeschmissen” bin “geflüchtet” oder was man sonst noch alles für negativ besetzte Worte finden mag. Es war ein Abschied auf Raten, der eigentlich schon relativ früh begann. Im nachhinein war es eine “Umorientierung” und eine sinnvolle Nutzung meiner Kraft.

Der Einstieg

Ich war damals stellvertretender Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in SH. Sowohl die AG als auch unser Kreisverband bestärkten mich, dass ich doch meine “gewinnende Art” in der Landespolitik einsetzen sollten. So kam es, dass ich auf dem LPT 2015 für den Landesvorstand kandidierte. Demut vor dem Wahlergebnis und Dankbarkeit an die Delegierten verspüre ich bis heute. Zack, ich war Mitglied des Landesvorstands. Ein wichtiger Politiker in SH. Schließlich war die SPD an der Regierung zu dieser Zeit. Doch es ist schwer Sämlinge zu ziehen, wenn man im Schatten eines allzu großen Baumes sein Feld beackert. Das musste ich schnell lernen.

Mehr Gerechtigkeit wagen

Dieses Thema bespielten wir in der ersten Zeit. Ein herrliches Thema für Parteiarbeit von der Basis bis zur Spitze. Auf Kreisebene haben wir das “Konzeptpapier” was der Kuhberg aus der vorherigen Wahlperiode gefertigt hatte bewertet und diskutiert. In unzähligen Treffen in Ortsvereinen und Im Kreis Änderungsanträge gebastelt, bis es dann endlich fertig war. Im Landesvorstand haben wir auch darüber beraten und immer wieder daran gearbeitet. Teamwork im wahrsten Sinne des Wortes. Fast alle haben sich gleichberechtigt eingebracht. Schade zwar, dass der Passus mit der Abrechnung an Schröders Agendapolitik heraus fiel, aber ich finde, da hatte die SPD Schleswig-Holstein ein tolles Papier zusammengeschrieben. Das Papier hatte, wenn man es aufmerksam liest, oder die Kernforderungen sich mal in Ruhe auflistet, (hier) nur den Nachteil, dass die meisten politischen Forderungen nur auf Bundes- oder Europaebene zu realisieren waren.

Für die engere Führungsriege der SPD-SH war es jedoch Grundlage zum Landtagswahlkampfpapier. Fragt mich bitte nicht warum! Leider kam zu dieser Zeit auch das so genannte Gabrielpapier heraus, und die GuG in Deutschland dachten, dass wir in SH Sigmar stürzen wollten. Ich war dann auf Einladung des Unterbezirks Gießen in Hessen und habe dort einer Abordnung das Papier vorgestellt. Es war eine tolle Diskussion. Irgendwann, im Bundestagswahlkampf habe ich dann mal unseren Landeschef angesprochen, ob es nicht langsam mal an der Zeit wäre den Menschen, die allesamt an diesem Papier mitgewirkt haben die Wertschätzung zu zeigen, die sie verdienen. Konkret: Wann werden konkrete Absätze in das Bundeswahlprogramm einfließen? Die Antwort war schnippisch “Der ganze Wahlkampf basiert auf Gerechtigkeit”. Jo, dachte ich. Biste wohl mal wieder zu bös richtig zu lesen, denn ich hab keine einzige Forderung des Papiers wieder gefunden.

Landtagswahlprogramm

Meine kreativste Zeit war die Vorbereitung des “Regierungsprogramms” wie es nachher etwas unglücklich hieß. Ich fand die altmodische Formulierung “Wahlprogramm” ja besser, aber was weiß ich schon. Der Bildungsbereich war mit mein Thema. Natürlich konnte ich nicht einfach das schreiben was ich wollte, denn das SPD geführte Ministerium hatte den Hut auf. Aber, bei Wasser und Brot in vielen Sitzungen haben wir einen finalen Vorschlag erarbeitet, der wirklich gut war. In Kreisen der Arbeitsgemeinschaft für Bildung waren einige Passagen umstritten, so dass es zu Änderungsanträgen auf dem LPT kam. Mein erstes Erlebnis von realer Politik. Wie es wirklich geschah, und wer letztlich die Schuld hatte, das lässt sich im nachhinein nicht klären, denn niemand führt ein Protokoll.

Klar ist nur, dass ich nach dem erfolgreichen Änderungsantrag zufrieden eine Zigarette rauchen gegangen bin, und als ich wieder rein kam, da war der Änderungsantrag – zack- Geschichte. Schwurbel, Finte, Kartenheben, neue Entscheidung. So geht Politik. Wochenlang hatten wir Stress in der Arbeitsgemeinschaft und ich fühlte mich nicht wirklich gut damals. Da arbeitet man wochenlang hart und irgendeiner reißt die ganze Arbeit mit einem Schachzug über den Haufen.

Landtagswahl

Meine schwerste Zeit damals. Ich habe die Kampagne mit kritischen Augen begleitet, mich an Stellen enthalten, wo ich vielleicht mit Nein hätte stimmen sollen, aber im Nachhinein ist man immer klüger. Es war das Jahr als meine Mutter starb. Dünnfellig und sensibel war ich. Man konnte mir nichts recht machen, und ich war nicht selten überfordert. Die wirkliche Politik fand eh immer nur im geschäftsführenden Landesvorstand statt. So, dass man als einfacher Beisitzer genau auf das reduziert war, was der Name trefflich ausdrückt. Man sitzt dabei. Loyal wie ich bin trug ich natürlich alle Beschlüsse mit. Immer häufiger mit echtem Bauchweh.

Aus Solidarität mit meinen anderen ehrenamtlichen Freunden aus dem Landesvorstand bin ich nicht zurückgetreten damals. Es wäre der richtige Moment für einen Abschied gewesen. Ich wollte keinen “Zugzwang” aufbauen. Nein, nicht weil ich keine Lust mehr hatte, sondern weil ich mich nicht mehr demokratisch legitimiert gefühlt habe. Ich wollte, dass ein LPT über mich, über uns entscheidet. Es war eine schlimme Zeit, in der ich merkte wie sehr sie Seele der Partei kochte. Klappe halten, durch. Wenn man mal was anzweifelte, dann wurde man relativ schnell als der Typus Mensch dargestellt, der ” ‘eh keine Ahnung” hat.

Weihnachtsfeiererlebnisse

Ich finde Weihnachten nicht besonders toll, seit mein Vater nicht mehr lebt. Wirklich genossen habe ich seit seinem Tode nur die Feiern mit meinen Kindern. Die waren auch nur sehr begrenzt, denn sie werden zu schnell groß. Die letzten Jahre suche ich nach einem neuen “Weihnachten” für mich. Naja, die letzte LaVo Sitzung des Jahres findet immer mit einem beschaulichen Essen statt. Also muss man sich was einfallen lassen. Ich habe Plätzchen gebacken und das Bundeslied des ADAV in Schnippsel geteilt und jeden aus dem LaVo beschenkt. Wie konnte ich nur erwarten, dass da Freude aufkommt. 2017 war die Weihnachtsfeier an Frust nicht mehr zu überbieten, und ich bin froh, dass ich nicht noch mal als Selbstzahler an der Tafelrunde sitzen muss und mir erklären lasse, dass ich ja sowieso nur zu dumm bin um das “Große Ganze” zu durchblicken.

Ich habe lieber meinen kleinen Kreis hier voller Menschen, die ihre Entscheidungen frei treffen, die nicht wirtschaftlich abhängig sind von ihren Entscheidungen und Liebe zu dem Ehrenamt haben. Eine liebe Karte zu Weihnachten eines Freundes, oder eine Karte der Schulleitungen in denen ein wenig Wertschätzung sich widerspiegelt. Ich verzichte gern auf eine Karte die so lieblos hingekrizzelt ist, dass ich sie noch nicht einmal entziffern kann.

Danke. Das ist eines meiner liebsten Worte, da es viel zu selten benutzt wird. Dankbarbeit vor der Leistung anderer. Ich danke immer gerne. Ein Dank an das Verkaufsteam eines Supermarktes, die freundlich lächelnd mich nach meinem Feierabend noch ertragen und ihre Zeit für mich widmen. Ein Dank an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landesgeschäftsstelle. Ein Danke an Freunde für kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ist das denn so schwer?

Ach, zum Schluss noch das Bundeslied des ADAV von Georg Herwegh von 1863. Frohe Weihnachten allen Menschen. Passt auf Euch auf!

Bet und Arbeit

Bet und arbeit! ruft die Welt
Bete kurz! denn Zeit ist Geld
An die Türe pocht die Not –
Bete kurz! denn Zeit ist Brot

Und du ackerst, und du säst,
Und du nietest, und du nähst,
Und du hämmerst, und du spinnst –
Sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht
Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
Füllst des Überflusses Horn,
Füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist  d e i n  Mahl bereit?
Doch wo ist  d e i n  Feierkleid?
Doch wo ist  d e i n  warmer Herd?
Doch wo ist  d e i n  scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,
Alles, aber nichts für dich!
Und von allem nur allein,
Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
Die dem Geist die Flügel knickt,
Die am Fuß des Kindes schon
Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht;
Was ihr webt, es ist der Fluch
Für euch selbst – ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
Hat’s für euch und kein Gemach;
Was ihr kleidet und beschuht,
Tritt auf euch voll Übermut.

Menschenbienen, die Natur,
Gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

2 Antworten auf „Ene Mene Muh und raus bist DU! Abschied auf Raten!“

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