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Medienkompetenz im 21. Jahrhundert?

Medienkompetenz ist nun nicht gerade mein Kernthema, aber wenn es hier im weiten Internet Sachen gibt, die mir komisch “aufstoßen”, dann sollte ich auch meinen minderqualifizierten Senf dazugeben dürfen. Also warum schreibe ich was? Ganz einfach, es geht um eine Studienreise einer Berliner Gymnasialklasse. Die Klasse ist also auf Reisen. Erstmal keine Schlagzeile wert, oder? Das Reiseziel war New York. Puh, Neid, Neid, denke ich. Aber auch das ist keine Schlagzeile. Die Reise wurde durch einen Griff ins “Staatssäckel” ermöglicht. Ja, denke ich… auch erstmal keine Schlagzeile. Doch die Süddeutsche Zeitung macht es vor. “Steuerzahler sponsert Klassenfahrt nach New York”, den ganzen Artikel dazu gibt es hier (Stand 6.11.2015)

Verdammt, denke ich als ich den Artikel lese, 2200 Euro für einen Flug und dann noch die Kosten vor Ort.. Hui… So weit so gut. Das ist ja ein Artikel der Süddeutschen, der muss ja fundiert sein. Zumal auch “Der Tagesspiegel” noch als Quelle angeführt wird. Ich lese den Artikel abermals, diesmal stutze ich über das Bildungs- und Teilhabepaket. So im bla bla wird es nebenbei angeführt, als wäre es unwichtig. Na, denke ich, das hab ich doch gerade erst gelesen, dass die finanziellen Mittel des Topfes eh nie ausgeschöpft werden, weil die meisten Menschen, die das bräuchten, gar nicht wissen, wie man das Geld bekommt oder aber einfach zu stolz sind, den Staat nach jedem einzelnen Euro zu fragen. Ich suche einfach mal Klassenfahrt bei Google und werde beim Stern fündig. Ein Facebookkommentar einer Journalistin. Die Überschrift dort: “New-York Klassenfahrt: Der Berliner Englischlehrer ist der Held des Tages”, das klingt ja ganz anders, denke ich. Wenn Ihr den tollen Artikel lesen wollt, dann bitte hier! Dieser Artikel watscht einen nicht einfach mit nackten kalten Zahlen ab, sondern er nimmt einen ein Stück mit – mit nach Berlin. Ich werde nachdenklich. Emotional voll angefasst. Am Ende dieses kleinen Ausflugs denke ich nur: Ja, das ist die Welt wie ich sie will. So stelle ich mir das vor. Der Mann ist auch mein Held.

Heute in der Schule hatten meine Schüler und ich wie üblich immer die fünf Minuten “was liegt oben auf” Phase, in der wir einfach mal so erzählen was uns ärgert, denn manchmal hilft es, sich mal kurz Luft zu machen und dann lernt es sich leichter. Ich schimpfte also darüber, wie einfach Meinungen zu beeinflussen sind. Meine Jungs waren der Meinung, dass man sie nicht beeinflussen kann. Na dachte ich, Zeit für einen Test. Gefragt, getan. “Hey, habt ihr gleich mal Lust 20 Minuten ganz still etwas zu lesen und mir danach eine Frage mit ja oder nein zu beantworten?” “Klar” war die Antwort. Also hab ich in der Pause schnell die beiden Artikel passend auf eine DIN A4 Seite kopiert und ihnen still zum Lesen hingegeben. Während sie lasen schrieb ich eine Umfrage an die Tafel. “Klassenfahrt mit Steuergeldern nach New York” ja oder nein? Das Ergebnis war, dass nur drei Stimmen mehr “für” die Klassenfahrt waren. Die Anderen, und zwar ausnahmslos Leser des Artikels der Süddeutschen, stimmten mit “Nein” ab. Ich las danach der Klasse den Artikel vom “Stern” vor. Die erste Reaktion der “Nein-Sager”: “Ja, wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir auch ja gesagt.” Nun mag jeder für sich seine eigene Konsequenz daraus ziehen. Ohne eine Wertung für oder gegen die jeweilige Zeitung. Meine Auffassung ist nur, wir müssen unseren Kindern mit auf den Weg geben, dass “eine Meinung” eben nur EINE Seite einer Medaille ist. Ich für meinen Teil werde durch solche Erlebnisse immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, wenn ich mich frage, warum Menschen irgendwelchen “Lügenerzählern” im Internet oder auf der Straße auf den Leim gehen. Wir brauchen starke, kritische und selbstbewusste junge Menschen, die mit offenen Ohren und Augen durchs Leben gehen.

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