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Beerdigung: Die Würde des Menschen – vs “stillen Abtrag”

Die Zeiten, in denen wir als Gesellschaft die Keimzelle “Familie” in der Form eines Clanverbands lebten sind lange vorbei. Wir sind Arbeitsnomaden, die zum Broterwerb durch das Land, ja durch die ganze Welt ziehen. Auf der Suche nach Selbstverwirklichung und Erfolg. Was bleibt sind verstreute Familien, und nicht selten Menschen, die irgendwann alleine in einer Sozialwohnung oder in einem Heim sitzen.

Beerdigung und Würde

Sicher, ich zeichne ein überspitztes Bild, ja. Unter Umständen bin ich auch zu melodramatisch, auch das ist möglich. Aber, ich denke mir, was denkt ein Mensch, wenn er die letzten Jahre seines Lebens alleine ist? Alles hat er gegeben. Sein Leben an die Gesellschaft, seine Liebe an die Familie, oder wie auch immer. Dieser Mensch wird irgendwann darüber nachdenken wie sein letzter Weg sein wird. Die Krankenkassen haben 2004 das Sterbegeld abgeschafft (krass eigentlich, aber wir nehmen das ja so hin). Was folgt ist ein “stiller Abtrag”. Einäschern, Entsorgen. Der Mensch, behandelt wie ein Gebrauchsgegenstand, der entsorgt werden muss. Jetzt ist es Zeit etwas kleines in der Kommune zu tun. Ich möchte, dass alle Ratsmitglieder informiert werden, wenn ein Mitglied unserer Gemeinde stirbt und eine kommunale Beisetzung angeordert wird, weil kein Mensch mehr da ist, der sich um diese verstorbene Person kümmern kann. Nun komme ich wieder zu dem Menschen, der da in seiner Einsamkeit sitzt und lebt. Ja, dieser Mensch wird sich fragen: “Bin ich auf meinem letzten Weg alleine?”

Nein, es muss nicht sein, dass dieser Mensch den Weg alleine geht. Ich will, dass wir die Würde des Menschen achten und ihn begleiten. Sicherlich werden es nicht immer alle sein, die da hin gehen können, aber ein paar Menschen, die sich erinnern und Gedenken! Alles was von uns bleibt sind Menschen, die sich an uns erinnern. Ich weiß, es ist ein komisches Thema, aber ich kann nicht anders.

 

Ich hab hier den Antragstext einmal für Euch. Im wesentlich speist er sich aus dem Artikel:

Antrag der SPD-Fraktion

„Die Verwaltung möge bitte die Ratsmitglieder, und die Öffentlichkeit, über die „Stillen Abträge“ informieren, damit Ratsmitglieder und Heider Bürgerinnen und Bürger zu den stillen Beisetzungen gehen können.“

 

Die Zeiten, in denen wir als Gesellschaft die Keimzelle „Familie“ in der Form eines „Clanverbands“ lebten sind lange vorbei. Wir sind Arbeitsnomaden, die zum Broterwerb durch das Land, ja durch die ganze Welt ziehen. Auf der Suche nach Selbstverwirklichung und Erfolg. Was bleibt sind verstreute Familien, und nicht selten Menschen, die irgendwann alleine in einer Sozialwohnung oder in einem Heim sitzen.  Aber, was denkt ein Mensch, wenn er die letzten Jahre seines Lebens alleine ist? Alles hat er gegeben. Sein Leben an die Gesellschaft, seine Liebe an die Familie, oder wie auch immer. Dieser Mensch wird irgendwann darüber nachdenken wie sein letzter Weg sein wird. Die Krankenkassen haben 2004 das Sterbegeld abgeschafft. Was folgt ist ein „stiller Abtrag“. Einäschern, Entsorgen.

Anzahl der Bestattungsfälle / Stadt Heide:

 

  • 2015 – 38 Sterbefälle, davon 16 anderer Wohnsitzgemeinden
  • 2016 – 39 Sterbefälle, davon 18 anderer Wohnsitzgemeinden
  • 2017 – bisher 23 Sterbefälle, davon 12 anderer Wohnsitzgemeinden

 

Der Mensch, behandelt wie ein Gebrauchsgegenstand, der entsorgt werden muss. Jetzt ist es Zeit etwas Kleines in der Kommune zu tun. Die SPD Fraktion wünscht sich, dass alle Ratsmitglieder informiert werden, wenn ein Mitglied unserer Gemeinde stirbt und eine kommunale Beisetzung angeordert wird, weil kein Mensch mehr da ist, der sich um diese verstorbene Person kümmern kann. Nun komme ich wieder zu dem Menschen, der da in seiner Einsamkeit sitzt und lebt. Ja, dieser Mensch wird sich fragen: „Bin ich auf meinem letzten Weg alleine?“

Nein, es muss nicht sein, dass dieser Mensch den Weg alleine geht. Ich will, dass wir die Würde des Menschen achten und ihn begleiten. Sicherlich werden es nicht immer alle sein, die dahin gehen können, aber ein paar Menschen, die sich erinnern und Gedenken! Alles was von uns bleibt sind Menschen, die sich an uns erinnern. Ich weiß, es ist ein komisches Thema, aber ich kann nicht anders.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dirk Diedrich

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2 Antworten auf „Beerdigung: Die Würde des Menschen – vs “stillen Abtrag”“

Dirk du hast damit so recht 👩‍⚖️. Auch ich habe das schon so erlebt. Und es ist allgegenwärtig. Wir müssen auch dort hinschauen. Und etwas unternehmen.
Denn die Würde des Menschen ist unantastbar.
Gruß
Simon Klaus Korn
Mitglied SPD Oldenburg

Lieber Dirk, das ist kein überspitztes Bild!! Du weißt da bin ich ganz bei Dir, ich habe es schon erlebt. Unsere Gesellschaft ist sehr abgestumpft, hier sterben Menschen die erst nach Monaten gefunden werden. Nicht weil Sie entführt wurden, nein weil Sie einfach ganz still gestorben sind.
Ich kann Dir sagen wenn man das weiß, dass die oberflächlichen Menschen viel zu hoch bewertet werden. Fängt man neu an zu sortieren und man wundert sich das einige ganz normale unscheinbare Menschen ein viel größeres Herz haben.

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