Dirk Diedrich

Landesvorstand SPD Schleswig-Holstein

12. Februar 2018

Allgemein
SPD Parteivorsitz muss wählbar sein Andrea Nahles!

Dirk Diedrich
Foto: Dirk Jacobs

Ich muss etwas aus­holen, wenn ich nun was zum The­ma Parteivor­sitz und Andrea Nahles schreibe. Sich­er nicht aus der Sicht aus Berlin, son­dern aus der Sicht eines Mit­glieds welch­es im Nir­vana an der Nord­seeküste lebt. Ich fange an mit Mar­tin Schulz, der uns in SH zu Beginn 2017 besuchte.

Sig­mar Gabriel war ein schwieriger Vor­sitzen­der. Oft hat er uns in Kreisvor­sitzen­den­run­den mit Sprüchen wie: “Dann komm doch nach Berlin und mach es bess­er, anstatt immer nur zu motzen.” geärg­ert. Doch die Idee Mar­tin Schulz an die Spitze der Partei zu heben wurde all­ge­mein begrüßt. Ralf Steg­n­er hat­te Mar­tin jeden­falls zur SH Kon­ferenz ein­ge­laden. Mar­tin sollte sein Progamm vorstellen. Seine Sicht auf die Dinge in Deutsch­land. Wie er die Wahl ange­hen will, welche The­men er beset­zen will. Es war eine kämpferische Rede eines Sozialdemokrat­en, der keine Fra­gen offen lies. Kri­tis­che Betra­ch­tung von HartzIV , endlich die Schröder Ära über­winden. Ein­führung ein­er Ver­mö­genss­teuer, Reform der Erb­schaftss­teuer. Die Super­re­ichen mehr zur Kasse bit­ten. Endlich alle Steuer­schlupflöch­er schließen. Das Koop­er­a­tionsver­bot abschaf­fen. Und viele Punk­te mehr eingepackt in ein paar knack­ige, kernige Sätze die das Herz von mir höher schla­gen ließen.

Ich war wie elek­trisiert. Für mich war klar: Ich gehe für Mar­tin durch dick und dünn.

Es fol­gte der Pro­gramm­prozess. In meinen Augen viel zu kurz ter­miniert. Ein Pro­gramm, dass für viele vom Him­mel fiel und wenig Spiel­raum erlaubte. Naja, eben ein schwach­es, wenig zukun­ftsweisendes Pro­gramm, in dem wenig von dem stand was Mar­tin uns noch drei Monate zuvor gesagt hat­te.

Der Wahlkampf in den Som­mer­fe­rien war auch eher vergebens und schw­er, dazwis­chen die Wahl hier in Schleswig-Hol­stein wo ich mich eh bis an meine Leis­tungs­gren­ze ver­aus­gabt hat­te. Mar­tin fuhr klare Kante am Wahlt­ag. Ob das nun klug war oder nicht, will ich nicht beurteilen, aber es war eine klare Ansage. Das ist das, was Men­schen von Poli­tik erwarten.

Alles was danach kam ist hin­re­ichend bekan­nt und wirk­te hier an der Basis bisweilen grotesk und unver­ständlich. Nein, kein Posten, dann Außen­min­is­ter. Nein keine Groko, dann Sondierun­gen. Dann ein BPT, der durch einen BPT die Auf­nahme von Koal­i­toinsver­hand­lun­gen beschließen soll.

Was für ein Unsinn haben wir gedacht. Entwed­er macht man gle­ich eine Mit­glieder­be­fra­gung, oder aber man zieht es durch und fragt hin­ter­her die Mit­glieder. Rauss­chmeißen von Mit­glieds­beiträ­gen war oft genug zu hören bei uns im Kreis. Denn selb­st die Groko-Kri­tik­er, die die inner­parteiliche Demokratie woll­ten und den Koa-Ver­hand­lun­gen zus­timmten, wussten, dass die Presse das so undif­feren­ziert darstellt, wie es kam.

Die SPD ist zu über 50% für eine Groko, war der Pres­se­text der bei allen noch in Erin­nerung geblieben ist.

Nun ist es so gekom­men, dass Mar­tin wohl auch dem PV den Rück­en kehren will. Finde ich schade, aber kann es auch ver­ste­hen. Nicht nachvol­lziehbar ist der Schritt nun Andrea Nahles zu sein­er Nach­fol­gerin in dem Amt zu bes­tim­men. Die Partei hat eine aus­re­ichend große Anzahl an Stel­lvertreterin­nen und Stel­lvertretern, die genau für diesen Fall gewählt wur­den.

Es geht mir nicht um die Per­son, es geht mir um das WIE!

“Wenn Mar­tin Andrea zu sein­er Nach­fol­gerin erk­lärt, ohne dass die Partei eine echte Auswahl hat, dann trete ich gegen sie an.”

Das war mein knappes State­ment bei Twit­ter. Ja, warum? Ist der Diedrich wahnsin­nig? Nein, ist er nicht. Aber ich zäh­le mich zu den Men­schen, die nicht meck­ern, ohne eine Alter­na­tive zu haben. Ich bin nicht der Typ, der andere Men­schen schlecht redet. Wer eine Kon­tra­po­si­tion bezieht, der sollte diese eben auch in aller Kon­se­quenz  bis zum Ende durch­denken. Nein, ich will diese Art der “Wahl” nicht. Darum werfe ich meinen Hut in den Ring.

In meinem Artikel “Flieg Vogel flieg” habe ich meine Mei­n­ung recht plau­si­bel dargestellt, wie ich die Flügel der SPD bew­erte. Das ist also hier jet­zt auch kein “Flügelkampf” es ist lediglich eine Rochade im Parteivor­stand, die mit #spderneuern nichts zu tun hat.

14 Kommentare

  1. Bra­vo. Unter­stützenswert. Gelebte Demokratie.

  2. Simon Klaus sagt:

    Danke Dirk für deine Mei­n­ung. Ich freue mich das du dich entsch­ieden hast.
    Sol­i­darische Grüße
    Simon Klaus

  3. Gabriela Roßbach sagt:

    Machen, nicht meck­ern: Sehr cool, Dirk. 👍👍👍

  4. Hans-Christian Koch sagt:

    Meine Stimme hättest du, lieber Dirk!.

  5. Günther Hummrich sagt:

    Mir ist es wichtig, zu den von mir wahrgenomme­nen Unstim­migkeit­en Stel­lung zu beziehen. Denn uns Sozialdemokrat­en haftet seit der Ablö­sung von Gen. Rudolf Scharp­ing 1995 auf dem Mannheimer Par­ti­etag durch Lafontaine und Schröder der Geruch ein­er durch dubiose und undurch­sichtige Machen­schaften “Mauschel­runde” an. Uns wird oft­mals unter­stellt, so nehme ich dies seit mein­er poli­tis­chen Sozial­i­sa­tion durch Willy Brandt überdeut­lich wahr, wir predigten ein­er­seits “mehr Demokratie wagen”, um dann unsere jew­eili­gen Spitzenkan­di­dat­en “stil­voll” zu schlacht­en.
    Mich verbindet mit dem Namen Rudolf Scharp­ing eine lei­d­volle und noch heute schmerzende Auseinan­der­set­zung von drei sich bit­ter bekämpfend­en Rich­tun­gen inner­halb der JUSO-schaft: Konkret nenne ich die “Reform­sozial­is­ten” (Refos), die “Staatsmo­nop­o­li­tis­chen Kapitalismus”-Kritiker (Stamis) und die “ökol­o­gisch ver­hei­matete” neue Rich­tung der “Ökos” (untech­nis­ch­er Begriff).
    Was uns einte, und das war ein nicht ern­sthaft disku­tiert­er Wille, der Partei unseren Stem­pel aufzu­drück­en. Der UB Lud­wigshafen-Franken­thal hat­te sich für den aus mein­er Sicht sehr weit fortschrit­tlichen Kan­di­dat­en Ger­hard Schmitt aus Bad Neuenahr/Ahrweiler entsch­ieden.
    Was uns tren­nte war ein nach außen nicht ver­mit­tel­bar­er ins Per­sön­liche abglei­t­en­der Hass um Posi­tio­nen.
    Auf ein­er Kon­ferenz auf Burg Waldeck hat­te isch meine Gruppe inhaltlich posi­tion­iert und juso-intern durchge­set­zt.
    In diesen Rich­tungsstre­it schal­tete sich “bru­tal macht­be­wußt” Rudolf Scharp­ing ein. Auf ein­er inter­nen, nicht basis­demokratisch legit­imierten durch Scharp­ing “ein­berufe­nen” Zwangskon­ferenz teilte uns der Chef der rhein­land-pfälzis­chen Lan­des-SPD mit, er wolle auss­chließlich mit den “Refos” um die Genossen Höh (Pir­masens) und Cato (UB irgend­was) zusam­me­nar­beit­en. Den STAMIS und uns ÖKOS hinge­gen wurde der Stuhl vor die Tür gestellt.
    Ver­bit­tert stellte — Ger­hard Schmitt und ich seien stel­lvertre­tend genan­nt — “unsere Frak­tion” eben­so wie die STAMIS jegliche Arbeit für den Land­tagswahlsieg Scharp­ings ein. Wir woll­ten damals ein rot-grünes Bünd­nis, Scharp­ing steuerte hinge­gen auf rot-gelb zu.
    Zwei Fak­ten dazu: Ger­hard Schmitt wurde Jahre später von den Dort­munder Genossen qua­si aus der Partei gedrängt. Und ich, wählte erst­mals die GRÜNEN. Das tat ich aus Protest 1998 wieder, was ich bit­ter zu büßen hat­te.
    Zwei Kro­nzeu­gen möchte ich benen­nen: Das ist der von sehr geschätzte Alexan­der Schweitzer und ein “verdeckt” operieren­der Man­fred Geis (damals Geschäfts­führer der Pfalz-SPD).
    Warum erwähne ich dies ? Mit­tler­weilen bin ich mit fast 66 Jahren so knapp dem JUSO-Alter entwach­sen und (zu meinem Erstaunen) immer noch ver­bit­tert.
    Doch genau diese Erfahrun­gen, über die ich mir ver­bitte nochmals wer­tend zu disku­tieren, lassen mich heute klar für Mar­tin Schulz sein.
    Und hier werde ich verkürzend polemisch: In “meinem” Mar­tin Schulz fand die Clique Gabriel / Nahles den “poli­tis­chen Mohren”, den sie jet­zt abservierten. Ganz nach dem Mot­to: “Der Mohr hat seine Schuldigkeit (GroKo-Ver­hand­lun­gen erfol­gre­ich zu führen) getan, er möge jet­zt gehen”.
    Mich treibt diese durch Ranküne ges­teuerte pri­vat­fe­hden­hafte Hin­terz­im­mer-Möchte­gern-Poli­tik zur Weißg­lut u n d wieder dazu meine Stimme aus meinem “poli­tis­chen Grab” zu erheben.
    Und um nochmals eine bewußt polemis­che Spitze zu set­zen: unser Kur­ti — lieb­volle König Kurt — genan­nte Kurt Beck und vor allem die von mir fast iko­nen­haft geschätzte Malu Drey­er gaben mir den Mut und die Kraft, mich 2011 und vor allem 2016 (Land­tagswahlkampf RLP) wieder graswurzel­haft einzuset­zen.
    Und um (fast schreiend) deut­lich zu wer­den. Ich rechne mir zu (mich selb­st dünkel­haft nen­nend) 100 bis 200 Stim­men für unsere MALU und damit gegen Julia Klöck­n­er zu.
    Erst­mals ver­nahm ich ein sich gemein­sam formieren­des Auf­bäu­men. Hic die schein­bar schwache und doch so helden­haft kämpfende MALU, dort JULIA Klöck­n­er.
    Die trotzi­gen Alten — stel­lvertre­tend nenne ich GÜNTHER RAMSAUER UND wieder mich, wagten es einzu­greifen. Und siehe es ging ein Ruck durch unsere Partei. Die Alten ver­bün­de­ten sich schein­bar konzept­los mit den JUNGEN.
    HIC MALU HIC JALTA (Klöck­n­er) führte weit­er !!!!
    DESHALB FINGER WEG von Mar­tin Schulz und dem Sozialdemokrat­en zu recht anhän­gen­den MAKEL der KÖNIGSMÖRDER.
    Klar für GROKO. Die Alter­na­tive lautet Neuwahl. Und hier spricht ein fak­toten­haftes Orakel aus Lud­wigshafen.
    Wollt Ihr Neuwahlen. Deren Ergeb­nis wird sein: SPD 17,05 Prozent ver­sus AfD 23,9 Porzent.
    Kriegs­gewinnler: MERKEL-SEEHOFER, die, mit Ver­laub, SCHEIß-BLAUROTEN.
    Und wer stirbt wieder den öffentlich insze­nierten TOD ?
    Unsere SPD und gle­ich mit die NEUAUSRICHTUNG der Partei.
    So, meine lieben Genossin­nen und Genossen, macht, was Ihr wollt. Und nur damit es klar sein wird. ICH spreche führ vom BAS­TA-Kan­zler bit­ter ent­täuschte WEG-MIT-HARZT IV-Altlinken. Meine biol­o­gis­che Uhr tickt. Und dies­mal werde ich nicht Mit­glied ein Ü70- oder bess­er noch Ü80-Frak­tion.
    Keine GroKo heißt ein gemütigter MARTIN SCHULZ und viele sich jet­zt aus der Deck­ung kom­mende Sozial­is­ten wie u.a. mich: Vencer­e­mos, falls Euch das etwas sagt.
    LASST UNS SCHREITEN SEIT’ AN SEIT’ …

  6. Norbert Leisten sagt:

    Als Neu­mit­glied der SPD halte ich das für eine mutige Entschei­dung und es fühlt sich für mich nach authen­tis­chem sozialdemokratis­chen Engage­ment an. Mut und Authen­tiz­ität, das sind die Werte, die ich in der derzeit­i­gen SPD-Führung stark ver­misse und ich glaube, ich bin nicht der Einzige. Viel Erfolg !

  7. Andreas Reinholtz sagt:

    Viel Erfolg! Arbeite mit Simone Lange zusam­men.

  8. […] Diet­rich ist stel­lvertre­tender SPD-Kreisvor­sitzen­der und Mit­glied im Lan­desvor­stand der schleswig-hol­steinis­chen Sozialdemokrat­en. Seine Kan­di­datur begrün­det er mit der Art und Weise, wie Nahles durch Schulz zur Parte­ichefin gemacht wer­den sollte. “Wenn Mar­tin Andrea zu sein­er Nach­fol­gerin erk­lärt, ohne dass die Partei eine echte Auswahl hat, dann trete ich gegen sie an”, schreibt Diedrich in einem Beitrag auf sein­er Web­seite. […]

  9. Helga Böhmer sagt:

    Vie­len her­zlichen Dank für Ihre Ini­tia­tive ! Ich möchte wieder die SPD wählen kön­nen, ohne mich dem sehr unan­genehmen und dazu noch schlecht kopierten Strassen-Jar­gon von Frau Nahles aus­ge­set­zt zu sehen, die die Führerschaft an sich ‘gekapert’ hätte.

  10. Sehr geehrter Herr Diet­rich,
    Ich wün­sche Ihnen sehr viel Erfolg, Glück und alles Gute.
    Ich würde Sie wählen, wenn ich es kön­nte.

  11. Gerd Fiss sagt:

    Sehr gut, nur ein Dith­marsch­er kann dièsen Sauhaufen wieder in eine erfol­gre­iche spur brin­gen. Halte durch!!!
    “DDD für D” : Dirk Diedrich aus Dith­marschen für Deutsch­land!

  12. mike moik sagt:

    Meine Stimme hättest du auch!
    Dein bayrisch­er Cousin
    (der unter 50)

  13. Lieber Dirk,
    ich glaube tat­säch­lich das ein Alter­na­tiv — Kandidat*in zu Nahles eine echte Chance hätte! Aber bitte einigt Euch im Vor­feld wer von Euch gegen Sie antritt. Ich erin­nere an Robert Habeck der gegen Cem Ödzdemir nur knapp unter­legen war. Und warum war er unter­legen? Weil mit Anton Hofre­it­er ein weit­er­er Kan­di­dat seinen Hut in den Ring gewor­fen hat­te.

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