Dirk Diedrich

Sozialdemokrat

1. Oktober 2015

Heide
Kurzschluss bei der Telekom

Foto: Max Braun - CC BY-SA 2.0

Wenn man seine Rech­nung ohne den Wirt, in diesem Fall ohne die CDU-Frak­tion in Hei­de macht, dann kann das böse enden. In meinem Kopf hüpft derzeit der Dura­cell­hase und trom­melt. Noch kann ich das gar nicht ein­sortieren.

Ganz kurz ein his­torisch­er Rück­blick. Vielle­icht ver­ste­ht man mich dann bess­er. Die Deutsche Post hat in den 1980ern ein riesiges Ver­wal­tungs­ge­bäude für über 60 Mil­lio­nen Mark in Hei­de bauen lassen. Dem Fach­mann ist bes­timmt schon aufge­fall­en, dass Hei­des Vor­wahl 0481 ist. Wie in Kiel, Lübeck, Bre­men oder Han­nover also. Es ist eben ein “Haup­t­knoten” hier. Aus diesem Gebäude hat die jet­zige Telekom mit­tler­weile voll­ständig zurück­ge­zo­gen. Vor Jahren gab es Ver­suche, das Haus für einige Mil­lio­nen Euro zu verkaufen, aber das scheit­erte wohl am Kauf­preis bzw. daran, dass es nur wenige große Unternehmen in der Nähe gibt, die wirk­lich Platz für über 200 Büromi­tar­beit­er brauchen. Nun läuft im Moment ein Bieter­ver­fahren um das Gebäude zu “ver­steigern”. Also ähn­lich wie bei E-Bay. Man gibt ein Gebot ab, und wenn man über­boten wurde hat man die Möglichkeit höher zu bieten. Sach­lage soweit klar? Ich hoffe. Hm. Der größte Mieter im Telekomge­bäude ist übri­gens der Kita-Zweck­ver­band Hei­de-Umland, der da pro­vi­sorisch (ich finde das übri­gens sog­ar sehr toll) die Kinder der Kita Nordlichter beherbergt. Ihr erin­nert Euch an die Presse­berichte zum Schim­mel­be­fall in der neu gebaut­en Kita.

So, angenom­men die Stadt Hei­de hätte eine Volk­shochschule, die saniert wer­den muss (äh, muss sie), und angenom­men die Stadt bräuchte Räume für die Musikschule, wo man bar­ri­ere­frei unter­richt­en kann (brauchen wir). Oder wir geben viel Miete für eine Entwick­lungsagen­tur aus, die in den “Ham­burg­er Höfen” eingemietet sind. Neben­bei kön­nte man da vor Ort auch “start-ups” ver­mit­teln und gün­stig Büroräume anbi­eten. Zusät­zlich mal angenom­men wir wür­den ein Rathaus haben, welch­es drin­gend für mehrere Mil­lio­nen Euro saniert wer­den muss (natür­lich ist das so, und jedes Jahr kostet es richtig Kohle, es zu “ertüchti­gen”, man denke nur an die aktuelle Haushalts­de­bat­te), oder vielle­icht ste­ht in der Nähe sog­ar ein Kreishaus, das ähn­liche bauliche Prob­leme hat wie das Rathaus…

Dann kön­nte man natür­lich für einen zweis­tel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag einen Neubau pla­nen, oder aber wenn man es wirk­lich will… na? Ihr merkt es ja? Natür­lich, man kön­nte zum Beispiel das Telekomge­bäude nutzen, um entwed­er das Rathaus da zu “parken”, während man das alte saniert. Das Haus an die Kreisver­wal­tung ver­mi­eten, während die ihr Haus sanieren oder aber mit bei­den Ver­wal­tun­gen dort einziehen. Platz wäre dort genug.

Natür­lich nur, wenn man Wil­lens ist, zu sparen!

Tja, eigentlich waren sich alle Rats­frak­tio­nen, auss­er der FDP, einig, dass wir das riskieren soll­ten. Aber wenn man seine Rech­nung ohne den Wirt, in diesem Fall ohne den Bürg­er­meis­ter, macht, dann fällt man schnell auf den Boden der Tat­sachen. Oder umgangssprach­lich auf die Schnau­ze.

Ach, neben­bei ste­ht in Elmshorn seit ein paar Jahren die neue Kreisver­wal­tung des Kreis­es Pin­neberg. Ja, NICHT mehr in Pin­neberg, son­dern eben in Elmshorn. Am Stad­trand, völ­lig dezen­tral, und es klappt her­vor­ra­gend. Der Kreis hat das alte “Talk­line”- Gebäude erwor­ben und eben das gemacht, was betrieb­swirtschaftlich vernün­ftig ist! Klasse Entschei­dung, so hat man Gelder freige­set­zt, um andere Pro­jek­te, zum Beispiel den Neubau ein­er Werk­statt an der Beru­flichen Schule in Elmshorn, oder den Neubau der Beru­flichen Schule in Pin­neberg zu stäm­men. Toll, es geht über­all, nur in Hei­de eben nicht.

Neben­bei: die Unter­bringung von Geflücheten in einem abges­per­rten Gebäude der aktiv­en Wulf-Ise­brand-Kaserne halte ich für völ­lig daneben! Mal im Ernst, hat da mal irgendw­er über das Wort “Trau­ma” nachgedacht? Ich will dazu eine kleine Geschichte erzählen, die ich mit meinem Vater erlebt habe.

Mein Vater ist zwar schon seit 20 Jahren tot, aber ich erin­ner mich super an eine Szene mit meinem “alten Her­rn”. Wir waren mit dem Wohn­mo­bil zu einem “Män­ner­woch­enende” in die Lüneb­urg­er Hei­de aufge­brochen und saßen am Früh­stück als ich ein leis­es Brum­men ver­nahm. Das Brum­men wurde lauter und lauter. Bis es zu einem Beben wurde. Es passierten uns einige britsche Panz­er in geringem Abstand. Ich schaute ihnen inter­essiert nach und achtete deswe­gen nicht sofort auf meinen Vater. Als ich zu ihm rüber sah, da saß er trä­nenüber­strömt wie ein hyp­no­tisiertes Kan­inchen da. Nicht in der Lage zu reden. Es dauerte einige Minuten bis er ansprech­bar war. Kriegstrau­ma! Dabei war zu dem Zeit­punkt der Krieg weit weit weg und lange her. Nach ein­er hal­ben Stunde haben wir ver­sucht darüber zu reden. Er erkärte mir die Geschichte aus der Kind­heit, welch­er Film in dem Moment in seinem Kopf ablief. Ich habe ihn ver­standen! Nein, Geflüchtete gehören nicht an einen Ort, wo es Uni­for­men und Mil­itär­fahrzeuge gibt! Auch für eine Über­gangslö­sung kön­nte man Räume in dem Telekomge­bäude abtren­nen und dann in Ruhe Wohn­raum für Geflüchtete erricht­en, der den Men­schen eine best­mögliche Inte­gra­tion und Akzep­tanz inner­halb der Bevölkerung ermöglichtn, wenn man es denn wirk­lich will!!!

 

2 Kommentare

  1. Karsten Voß sagt:

    Lieber Dirk,
    das hast Du sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Man spürt richtig Deinen Frust. Biete doch ein­mal aus Spaß 100 €. Wenn das Bieter­ver­fahren wie bei ebay funk­tion­iert, kön­ntest Du sehen, wie viel andere bieten und evtl. durch die Stadt nach­schieben lassen.….
    Mit Recht kann das Kreis­ge­bäude auch woan­ders ste­hen als jet­zt. Das Rathaus sollte aber schon zen­tral gele­gen sein.
    Lass Dich nicht unterkriegen. Die Hoff­nung stirbt zulet­zt.
    Sei her­zlich gegrüßt und
    Schönes Woch­enende!!!!
    Karsten

    • ddiedrich sagt:

      Lieber Karsten,
      ich danke Dir für Deine auf­bauen­den Worte. Aber stell Dir vor ich hab das dann für 100 Euro an den Back­en? Haha.
      Also: Ja, ein Rathaus sollte zen­tral sein. Aber was genau meinst Du? Das Bürg­er­büro? Ja, defin­i­tiv. Aber die eigentliche Ver­wal­tung, ohne Bürg­erverkehr? Ein feines kleines Büro, das sich in das Stadt­bild ein­fügt würde vorzüglich genü­gen!

      Liebe Grüße Dirk

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