{"id":854,"date":"2018-12-08T15:34:50","date_gmt":"2018-12-08T14:34:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=854"},"modified":"2018-12-08T15:34:50","modified_gmt":"2018-12-08T14:34:50","slug":"ene-mene-muh-und-raus-bist-du-abschied-auf-raten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=854","title":{"rendered":"Ene Mene Muh und raus bist DU! Abschied auf Raten!"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist die Zeit im Landesvorstand zu Ende. Ich bin gegangen. Ja, ich hab&#8217; nicht bis zum Ende der Wahlzeit gewartet, sondern ich habe fr\u00fchzeitig &#8220;hingeschmissen&#8221; bin &#8220;gefl\u00fcchtet&#8221; oder was man sonst noch alles f\u00fcr negativ besetzte Worte finden mag. Es war ein Abschied auf Raten, der eigentlich schon relativ fr\u00fch begann. Im nachhinein war es eine &#8220;Umorientierung&#8221; und eine sinnvolle Nutzung meiner Kraft.<!--more--><\/p>\n<h3>Der Einstieg<\/h3>\n<p>Ich war damals stellvertretender Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bildung in SH. Sowohl die AG als auch unser Kreisverband best\u00e4rkten mich, dass ich doch meine &#8220;gewinnende Art&#8221; in der Landespolitik einsetzen sollten. So kam es, dass ich auf dem LPT 2015 f\u00fcr den Landesvorstand kandidierte. Demut vor dem Wahlergebnis und Dankbarkeit an die Delegierten versp\u00fcre ich bis heute. Zack, ich war Mitglied des Landesvorstands. Ein wichtiger Politiker in SH. Schlie\u00dflich war die SPD an der Regierung zu dieser Zeit. Doch es ist schwer S\u00e4mlinge zu ziehen, wenn man im Schatten eines allzu gro\u00dfen Baumes sein Feld beackert. Das musste ich schnell lernen.<\/p>\n<h3>Mehr Gerechtigkeit wagen<\/h3>\n<p>Dieses Thema bespielten wir in der ersten Zeit. Ein herrliches Thema f\u00fcr Parteiarbeit von der Basis bis zur Spitze. Auf Kreisebene haben wir das &#8220;Konzeptpapier&#8221; was der Kuhberg aus der vorherigen Wahlperiode gefertigt hatte bewertet und diskutiert. In unz\u00e4hligen Treffen in Ortsvereinen und Im Kreis \u00c4nderungsantr\u00e4ge gebastelt, bis es dann endlich fertig war. Im Landesvorstand haben wir auch dar\u00fcber beraten und immer wieder daran gearbeitet. Teamwork im wahrsten Sinne des Wortes. Fast alle haben sich gleichberechtigt eingebracht. Schade zwar, dass der Passus mit der Abrechnung an Schr\u00f6ders Agendapolitik heraus fiel, aber ich finde, da hatte die SPD Schleswig-Holstein ein tolles Papier zusammengeschrieben. Das Papier hatte, wenn man es aufmerksam liest, oder die Kernforderungen sich mal in Ruhe auflistet, (<a href=\"https:\/\/dirk-diedrich.de\/gerechtigkeit-massnahmen-des-landesverbandes-sh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) nur den Nachteil, dass die meisten politischen Forderungen nur auf Bundes- oder Europaebene zu realisieren waren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die engere F\u00fchrungsriege der SPD-SH war es jedoch Grundlage zum Landtagswahlkampfpapier. Fragt mich bitte nicht warum! Leider kam zu dieser Zeit auch das so genannte Gabrielpapier heraus, und die GuG in Deutschland dachten, dass wir in SH Sigmar st\u00fcrzen wollten. Ich war dann auf Einladung des Unterbezirks Gie\u00dfen in Hessen und habe dort einer Abordnung das Papier vorgestellt. Es war eine tolle Diskussion. Irgendwann, im Bundestagswahlkampf habe ich dann mal unseren Landeschef angesprochen, ob es nicht langsam mal an der Zeit w\u00e4re den Menschen, die allesamt an diesem Papier mitgewirkt haben die Wertsch\u00e4tzung zu zeigen, die sie verdienen. Konkret: Wann werden konkrete Abs\u00e4tze in das Bundeswahlprogramm einflie\u00dfen? Die Antwort war schnippisch &#8220;Der ganze Wahlkampf basiert auf Gerechtigkeit&#8221;. Jo, dachte ich. Biste wohl mal wieder zu b\u00f6s richtig zu lesen, denn ich hab keine einzige Forderung des Papiers wieder gefunden.<\/p>\n<h3>Landtagswahlprogramm<\/h3>\n<p>Meine kreativste Zeit war die Vorbereitung des &#8220;Regierungsprogramms&#8221; wie es nachher etwas ungl\u00fccklich hie\u00df. Ich fand die altmodische Formulierung &#8220;Wahlprogramm&#8221; ja besser, aber was wei\u00df ich schon. Der Bildungsbereich war mit mein Thema. Nat\u00fcrlich konnte ich nicht einfach das schreiben was ich wollte, denn das SPD gef\u00fchrte Ministerium hatte den Hut auf. Aber, bei Wasser und Brot in vielen Sitzungen haben wir einen finalen Vorschlag erarbeitet, der wirklich gut war. In Kreisen der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bildung waren einige Passagen umstritten, so dass es zu \u00c4nderungsantr\u00e4gen auf dem LPT kam. Mein erstes Erlebnis von realer Politik. Wie es wirklich geschah, und wer letztlich die Schuld hatte, das l\u00e4sst sich im nachhinein nicht kl\u00e4ren, denn niemand f\u00fchrt ein Protokoll.<\/p>\n<p>Klar ist nur, dass ich nach dem erfolgreichen \u00c4nderungsantrag zufrieden eine Zigarette rauchen gegangen bin, und als ich wieder rein kam, da war der \u00c4nderungsantrag &#8211; zack- Geschichte. Schwurbel, Finte, Kartenheben, neue Entscheidung. So geht Politik. Wochenlang hatten wir Stress in der Arbeitsgemeinschaft und ich f\u00fchlte mich nicht wirklich gut damals. Da arbeitet man wochenlang hart und irgendeiner rei\u00dft die ganze Arbeit mit einem Schachzug \u00fcber den Haufen.<\/p>\n<h3>Landtagswahl<\/h3>\n<p>Meine schwerste Zeit damals. Ich habe die Kampagne mit kritischen Augen begleitet, mich an Stellen enthalten, wo ich vielleicht mit Nein h\u00e4tte stimmen sollen, aber im Nachhinein ist man immer kl\u00fcger. Es war das Jahr als meine Mutter starb. D\u00fcnnfellig und sensibel war ich. Man konnte mir nichts recht machen, und ich war nicht selten \u00fcberfordert. Die wirkliche Politik fand eh immer nur im gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Landesvorstand statt. So, dass man als einfacher Beisitzer genau auf das reduziert war, was der Name trefflich ausdr\u00fcckt. Man sitzt dabei. Loyal wie ich bin trug ich nat\u00fcrlich alle Beschl\u00fcsse mit. Immer h\u00e4ufiger mit echtem Bauchweh.<\/p>\n<p>Aus Solidarit\u00e4t mit meinen anderen ehrenamtlichen Freunden aus dem Landesvorstand bin ich nicht zur\u00fcckgetreten damals. Es w\u00e4re der richtige Moment f\u00fcr einen Abschied gewesen. Ich wollte keinen &#8220;Zugzwang&#8221; aufbauen. Nein, nicht weil ich keine Lust mehr hatte, sondern weil ich mich nicht mehr demokratisch legitimiert gef\u00fchlt habe. Ich wollte, dass ein LPT \u00fcber mich, \u00fcber uns entscheidet. Es war eine schlimme Zeit, in der ich merkte wie sehr sie Seele der Partei kochte. Klappe halten, durch. Wenn man mal was anzweifelte, dann wurde man relativ schnell als der Typus Mensch dargestellt, der &#8221; &#8216;eh keine Ahnung&#8221; hat.<\/p>\n<h3>Weihnachtsfeiererlebnisse<\/h3>\n<p>Ich finde Weihnachten nicht besonders toll, seit mein Vater nicht mehr lebt. Wirklich genossen habe ich seit seinem Tode nur die Feiern mit meinen Kindern. Die waren auch nur sehr begrenzt, denn sie werden zu schnell gro\u00df. Die letzten Jahre suche ich nach einem neuen &#8220;Weihnachten&#8221; f\u00fcr mich. Naja, die letzte LaVo Sitzung des Jahres findet immer mit einem beschaulichen Essen statt. Also muss man sich was einfallen lassen. Ich habe Pl\u00e4tzchen gebacken und das Bundeslied des ADAV in Schnippsel geteilt und jeden aus dem LaVo beschenkt. Wie konnte ich nur erwarten, dass da Freude aufkommt. 2017 war die Weihnachtsfeier an Frust nicht mehr zu \u00fcberbieten, und ich bin froh, dass ich nicht noch mal als Selbstzahler an der Tafelrunde sitzen muss und mir erkl\u00e4ren lasse, dass ich ja sowieso nur zu dumm bin um das &#8220;Gro\u00dfe Ganze&#8221; zu durchblicken.<\/p>\n<p>Ich habe lieber meinen kleinen Kreis hier voller Menschen, die ihre Entscheidungen frei treffen, die nicht wirtschaftlich abh\u00e4ngig sind von ihren Entscheidungen und Liebe zu dem Ehrenamt haben. Eine liebe Karte zu Weihnachten eines Freundes, oder eine Karte der Schulleitungen in denen ein wenig Wertsch\u00e4tzung sich widerspiegelt. Ich verzichte gern auf eine Karte die so lieblos hingekrizzelt ist, dass ich sie noch nicht einmal entziffern kann.<\/p>\n<p>Danke. Das ist eines meiner liebsten Worte, da es viel zu selten benutzt wird. Dankbarbeit vor der Leistung anderer. Ich danke immer gerne. Ein Dank an das Verkaufsteam eines Supermarktes, die freundlich l\u00e4chelnd mich nach meinem Feierabend noch ertragen und ihre Zeit f\u00fcr mich widmen. Ein Dank an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landesgesch\u00e4ftsstelle. Ein Danke an Freunde f\u00fcr kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ist das denn so schwer?<\/p>\n<p>Ach, zum Schluss noch das Bundeslied des ADAV von Georg Herwegh von 1863. Frohe Weihnachten allen Menschen. Passt auf Euch auf!<\/p>\n<h3>Bet und Arbeit<\/h3>\n<p>Bet und arbeit! ruft die Welt<br \/>\nBete kurz! denn Zeit ist Geld<br \/>\nAn die T\u00fcre pocht die Not \u2013<br \/>\nBete kurz! denn Zeit ist Brot<\/p>\n<p>Und du ackerst, und du s\u00e4st,<br \/>\nUnd du nietest, und du n\u00e4hst,<br \/>\nUnd du h\u00e4mmerst, und du spinnst \u2013<br \/>\nSag, o Volk, was du gewinnst!<\/p>\n<p>Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht<br \/>\nSch\u00fcrfst im Erz- und Kohlenschacht,<br \/>\nF\u00fcllst des \u00dcberflusses Horn,<br \/>\nF\u00fcllst es hoch mit Wein und Korn.<\/p>\n<p>Doch wo ist\u00a0 d e i n\u00a0 Mahl bereit?<br \/>\nDoch wo ist\u00a0 d e i n\u00a0 Feierkleid?<br \/>\nDoch wo ist\u00a0 d e i n\u00a0 warmer Herd?<br \/>\nDoch wo ist\u00a0 d e i n\u00a0 scharfes Schwert?<\/p>\n<p>Alles ist dein Werk! o sprich,<br \/>\nAlles, aber nichts f\u00fcr dich!<br \/>\nUnd von allem nur allein,<br \/>\nDie du schmiedst, die Kette, dein?<\/p>\n<p>Kette, die den Leib umstrickt,<br \/>\nDie dem Geist die Fl\u00fcgel knickt,<br \/>\nDie am Fu\u00df des Kindes schon<br \/>\nKlirrt \u2013 o Volk, das ist dein Lohn.<\/p>\n<p>Was ihr hebt ans Sonnenlicht,<br \/>\nSch\u00e4tze sind es f\u00fcr den Wicht;<br \/>\nWas ihr webt, es ist der Fluch<br \/>\nF\u00fcr euch selbst \u2013 ins bunte Tuch.<\/p>\n<p>Was ihr baut, kein sch\u00fctzend Dach<br \/>\nHat\u2019s f\u00fcr euch und kein Gemach;<br \/>\nWas ihr kleidet und beschuht,<br \/>\nTritt auf euch voll \u00dcbermut.<\/p>\n<p>Menschenbienen, die Natur,<br \/>\nGab sie euch den Honig nur?<br \/>\nSeht die Drohnen um euch her!<br \/>\nHabt ihr keinen Stachel mehr?<\/p>\n<p>Mann der Arbeit, aufgewacht!<br \/>\nUnd erkenne deine Macht!<br \/>\nAlle R\u00e4der stehen still,<br \/>\nWenn dein starker Arm es will.<\/p>\n<p>Deiner Dr\u00e4nger Schar erbla\u00dft,<br \/>\nWenn du, m\u00fcde deiner Last,<br \/>\nIn die Ecke lehnst den Pflug,<br \/>\nWenn du rufst: Es ist genug!<\/p>\n<p>Brecht das Doppeljoch entzwei!<br \/>\nBrecht die Not der Sklaverei!<br \/>\nBrecht die Sklaverei der Not!<br \/>\nBrot ist Freiheit, Freiheit Brot!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist die Zeit im Landesvorstand zu Ende. Ich bin gegangen. Ja, ich hab&#8217; nicht bis zum Ende der Wahlzeit gewartet, sondern ich habe fr\u00fchzeitig &#8220;hingeschmissen&#8221; bin &#8220;gefl\u00fcchtet&#8221; oder was man sonst noch alles f\u00fcr negativ besetzte Worte finden mag. Es war ein Abschied auf Raten, der eigentlich schon relativ fr\u00fch begann. 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