{"id":760,"date":"2018-04-11T09:07:24","date_gmt":"2018-04-11T07:07:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=760"},"modified":"2018-04-11T09:07:24","modified_gmt":"2018-04-11T07:07:24","slug":"alg-ii-h4-versus-menschenwuerde-versuch-einer-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=760","title":{"rendered":"ALG II (H4) versus Menschenw\u00fcrde &#8211; eine Kritik"},"content":{"rendered":"<p>Dienstag, f\u00fcher Nachmittag in Kiel. Ich schlendere zum WDH (Abk\u00fcrzung f\u00fcr unser Landeshaus der Partei) und wundere mich \u00fcber gef\u00fcllte und \u00fcbergelaufene M\u00fclleimer. Ja, ich geh\u00f6re zu der Kategorie Raucher, die ihre Kippen nicht wegwerfen, sondern gern in diese runden Dinger stopfen, wenn da Platz ist. In diesem M\u00fclleimer direkt vor dem WDH war kein Platz. Also wandert die Kippe in meine Manteltasche. Es ist kein sch\u00f6ner Anblick. Ein Konglomerat aus Antipasti und Nudelsalat liegt auf der Stra\u00dfe. Naja, der Streik bestimmt, denke ich mir so. Als ich relativ erfolglos wieder auf dem R\u00fcckweg zum Auto bin kniet eine junge Frau vor den \u00dcberresten, die mich irgendwie an Erbrochenes erinnern und kramt einen L\u00f6ffel aus ihrem abgewetzten Rucksack. Sie hockt sich in den Schneidersitz und beginnt zu essen.<!--more--><\/p>\n<h4>In mir:<\/h4>\n<p>Liebe Leute ihr k\u00f6nnt Euch nicht vorstellen was mir durch den Kopf geht. Direkt neben dem WDH ist ein Restaurant, ich will sie zum Essen einladen, doch erinnere mich ziemlich fix daran, dass das mit den 6 Euro, die ich in der Tasche habe nichts wird. Mitnehmen ist mein zweiter Gedanke, Ansprechen der dritte&#8230;. Es geht alles so schnell. Meine Schritte werden langsamer. Ich leide. Kein klarer Gedanke ist zu fassen. Alles Leid der Welt lastet in diesen Sekunden auf meinen Schultern. Eine Tr\u00e4ne kriecht aus dem Auge, ich wische sie hektisch weg. Das kann es doch nicht sein, sage ich w\u00fctend und traurig zugleich zu mir. &#8220;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar&#8221;, rappelt es durch meinen Kopf. Was haben wir nur falsch gemacht. Welcher\u00a0 Teil der Verantwortung trifft mich? Was h\u00e4tte ich konkret tun sollen? Was habe ich vers\u00e4umt zu tun? Jedenfalls liegt diese Verantwortung schwer auf meiner Brust. Ein riesiger Backstein, der mir die Luft zum atmen nimmt.<\/p>\n<p>Das was da eben passierte war nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Wenn ich ehrlich bin, dann ist das gesamte System der sozialen Grundsicherung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Denn mit W\u00fcrde hat das nichts zu tun. Es geht los, das unabh\u00e4ngig davon ob man so einen Zettelwust ausf\u00fcllen kann oder nicht, nur Anspruch auf Geld vom Staat hat, wenn man sich bis auf die Knochen auszieht. Das hat mit Menschenw\u00fcrde und mit Vertrauen nichts zu tun. Meine Gedanken schweifen zum Privatfernsehen, die gestern wieder mal ihren Zuschauern die H4 Generation wie im Zoo dargeboten haben. Entsetzlich, denke ich mir&#8230;.<\/p>\n<p>Was passiert denn da \u00fcberhaut mit uns, wenn wir in diesem System aufwachsen. Wir erleben den Staat als ein Wesen, dass und kontrolliert und morgens mittags und abends zum f\u00fcttern vorbei schaut. Wie im Zoo gehaltene Tiere. Keine Privatsph\u00e4re, kein recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit. Ich glaube kaum, dass aus solchen Strukturen Staatsb\u00fcrger erwachsen werden, die dem Staat vertrauen und ihre Arbeitsleistung und Steuern gern geben, geschweige denn, sich an Wahlen beteiligen&#8230;. Ich muss w\u00fcrgen.<\/p>\n<h4>Zerrissen:<\/h4>\n<p>In meinem Kopf pocht es. Ich sehe eine Politik, die in einem Koalitionsvertrag weniger Geld im Volk verteilen, als die Reichsten zehn Menschen in Deutschland in einem Jahr abgreifen. Ich sehe Neiddebatten zwischen Armen und \u00c4rmsten. Hass, Missgunst und Schuldzuweisungen. Menschen werden sortiert, in wichtigere und weniger wichtigere. Was hat das alles mit dem Gedanken des Grundgesetzes &#8220;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar&#8221; zu tun? Richtig, NIX!<\/p>\n<p>&#8220;Die W\u00fcrde des Menschen h\u00e4ngt von der Schuldenbremse ab&#8221;, sagte ein Genosse letztens. Ich denke nicht, dass wir \u00fcber die Aufhebung der Schuldenbremse nachdenken m\u00fcssen, aber wir sollten dringend dar\u00fcber nachdenken, dass wir die Menschen, die in den vergangenen Jahren ihr Kapital vervielfachen konnten angemessen an den Aufgaben des Staates beteiligen m\u00fcssen. Dann w\u00e4re ausreichend Geld im land vorhanden um den Menschen ein Gef\u00fchl zu geben, dass der Staat sie besch\u00fctzt und nicht demontiert.<\/p>\n<h4>Ein Ansatz:<\/h4>\n<p>Wir brauchen mit Sicherheit keine r\u00fcckw\u00e4rts orientierte Debatte \u00fcber H4 oder AlgII, aber wir brauchen eine Debatte um Grundsicherung und menschenw\u00fcrdige Versorgung. Ohne Neid. Bis zu einer bestimmten Grenze sogar ohne dieses komische &#8220;F\u00f6rdern und Fordern&#8221;, sondern BEDINGUNGSLOS. Denn wenn wir eines gelernt haben, als ich jedenfalls. Vertrauen und Liebe, gehen nur BEDINGUNGSLOS.<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe&#8212; und, nein, es geht mir nicht besser jetzt, aber ich bin es mal los geworden.<\/p>\n<p>Mehr zu dem Thema <a href=\"https:\/\/dirk-diedrich.de\/hegen-rether-revolution\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, f\u00fcher Nachmittag in Kiel. 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