{"id":240,"date":"2015-12-23T15:29:55","date_gmt":"2015-12-23T14:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=240"},"modified":"2015-12-23T15:29:55","modified_gmt":"2015-12-23T14:29:55","slug":"o-du-froehliche-oder-alle-jahre-schon-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dirk-diedrich.de\/?p=240","title":{"rendered":"O&#8217; du Fr\u00f6hliche, oder alle Jahre schon wieder?"},"content":{"rendered":"<p>Es wird Weihnachten, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es ist Zeit, sich ein wenig zu sortieren und das Jahr im geistigen Auge an sich vorbei ziehen zu lassen. Ich versuche es einfach mal. Weihnachten, das Fest der Liebe. Schade nur, dass es dazu f\u00fcr viele Leute einen Termin braucht. Liebe nach Terminplan? Ich finde eine Aufmerksamkeit oder ein Geschenk immer netter, wenn ich gerade an Jemanden denke, und ich muss damit nicht unbedingt bis Weihnachten warten. Wie heute morgen, ich hatte noch was vergessen, banales Zeug, Brot f\u00fcr meine Mutter, etwas Milch f\u00fcr mich und Zigaretten (B\u00f6se! Liebe Kinder, \u00fcberlest das aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden). Nun, um acht also zum Supermarkt und es war Endzeitstimmung. <!--more-->Ich hab ja nichts gegen Menschen, die wie ich auf den &#8220;letzten Dr\u00fccker&#8221; einkaufen. Ich habe aber deutlich Probleme damit, wie sich diese Menschen verhalten. Da ist das Anp\u00f6beln des Servicepersonals noch das harmloseste Vergehen. Nein, das gef\u00e4llt mir nicht. Man wird einfach \u00fcber den Haufen gelaufen, alte Kniggeans\u00e4tze wie: &#8220;Der J\u00fcngere weicht dem \u00c4lteren aus&#8221;, gelten nichts. Auch entwickelt sich ein voller Einkaufswagen als Waffe gegen Rollstuhlfahrer. Warum ist das so? Sind die Leute alle beseelt vor lauter Liebe? Ist es unsere christlich abendl\u00e4ndische &#8220;Leitkultur&#8221;, den anderen einfach umzuschubbsen? Im Auto sitzend habe ich Zeit f\u00fcr eine ganze Zigarette (Achtung Kinder!), bis mich der nachfolgende Verkehr r\u00fcckw\u00e4rts ausparken l\u00e4sst. Was nehme ich f\u00fcr mich mit? Ja, ganz bestimmt nehme ich mit, dass ich gern einen Anderen erst ausparken lasse, und dass ich auch immer wieder an der Kasse jemanden vorlasse. Ich nehme mit, dass ich wie immer freundlich bin zu der Dame an der Kasse, und auch im n\u00e4chsten Jahr wie immer ihr einen tollen Feierabend w\u00fcnsche. Denn auch sie hat Menschen zuhause, die auf sie warten. Wen? Das wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht. Aber Jeder von uns ist ein Teil in diesem &#8220;Netz&#8221; und ich hoffe, dass ein L\u00e4cheln und ein wenig Freundlichkeit sich genau so gut fortpflanzen wie es Ger\u00fcchte und Hass im Moment tun.<\/p>\n<p>So, nun aber schnell in die Stadt, noch ein Pfund frisch ger\u00f6steten Kaffee aus Heide kaufen. Hennings ist da eine tolle Adresse. Im Hintergrund rappelt die R\u00f6stmaschine, die Menschen sind entspannt, hach sch\u00f6n. Kaum bin ich in der Gehstra\u00dfe (die Dithmarscher wissen, dass ich den Teil der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone meine, der Friedrichstra\u00dfe hei\u00dft) unterwegs, da sind sie wieder diese &#8220;Weihnachtsmenschen&#8221; die entweder irgendwelche Listen oder Smartphones vor sich hertragen, auf denen sie irgendwas abhaken. Also schnell den Kopf in alle Gesch\u00e4fte reinstecken und ein frohes neues Jahr w\u00fcnschen und ab nach Hause. Leben in einer Kleinstadt kann sch\u00f6n sein.<\/p>\n<p>Endlich wieder zuhause, es ist der 23te, ich hab Post. Oh, Weihnachtspost&#8230; Ich bekomme gern Post, also &#8220;Analogpost&#8221;, auch ein Kandidat f\u00fcr das Wort 2016. Ein Genosse schreibt. Eine Karte mit einem Foto der Gieselauschleuse drauf. Drinnen nicht viel Text, aber Bezug zu meinem Leben, ein Spruch, der mich nachdenken und innehalten l\u00e4sst. Ja, denke ich, Du hast es mal wieder getroffen. Mich getroffen, mich ber\u00fchrt und ein St\u00fcck reifer gemacht. Ja, solche Karten mag ich. Ich bekomme \u00fcbrigens gern Analogpost, das ganze Jahr \u00fcber, und nicht nur zu Weihnachten. Ich mag die Karten nicht, die kommen, weil Weihnachten ein Fest der Liebe ist, dann hektisch, oft unleserlich geschrieben, ohne pers\u00f6nlichen Bezug. Da denke ich mir so oft: &#8220;ach, wenn du mir was sagen willst, dann nimm dir doch einen Moment Zeit, ein gutes Glas Leitungswasser (ist ges\u00fcnder als Wein &#8211; sollten die Kinder lesen), und dann schreib mir einfach wenn du Zeit dazu hast.&#8221;<\/p>\n<p>Nun habe ich aber lange genug auf allen Mitmenschen herumgehackt, also zu mir. Wie war das Jahr, was hab ich bewegt? Nun, die letzte Frage kann ich zum Gl\u00fcck nicht allumfassend beantworten, denn manche Dinge st\u00f6\u00dft man an und es bewegt sich erst in ein paar Jahren was. Fast so, als w\u00fcrde man einen Baum pflanzen. Ach, im \u00fcbrigen, es ist unsagbar toll, einen Baum zu pflanzen. So, also eher die Frage: Was hat mich bewegt? Ich bin von Natur aus ein neugieriger Mensch, der leider immer zu schnell, zu viel mit anderen Menschen f\u00fchlt, wahrscheinlich sehe ich die Probleme dann vor der eigenen Haust\u00fcre nicht so gut, aber ich gelobe Besserung. Jedenfalls was mich selber angeht. Man muss ja auch ein wenig auf sich selbst achten. Ich bin bewegt von den ganzen schlimmen Dingen die in diesem Jahr passiert sind. Aber wenn ich ehrlich bin, dann passieren jedes Jahr schlimme Dinge. Kriege, Tsunamis und und&#8230; Die Welt ist schneller geworden, ja, das kann ich sagen. Informationen sind schneller geworden, und vor allem das &#8220;Urteilen&#8221; wird schneller. Der eigene Dunstkreis des Menschen um sich herum wird jedes Jahr kleiner, so kommt es mir vor. Wir sind Getriebene. Viel zu selten harren wir aus und fragen uns, wer oder was uns da gerade treibt. Noch seltener stellt man sich die Frage: &#8220;Was kann ich dagegen tun?&#8221; Naja, die Politik ist Schuld, klar&#8230;. Aber niemand kann mir sagen wer &#8220;die Politik&#8221; ist, au\u00dfer &#8220;die da oben&#8221;. Tolle Antwort. Ich sollte Privatdozent f\u00fcr &#8220;demokratische Prozesse und Willensbildung&#8221; werden, da scheint es viel Nachholbedarf zu geben. Denn es ist immer einfach &#8220;geschimpft&#8221;, aber schlechter eine L\u00f6sung herbei gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ja, ich ganz pers\u00f6nlich bin bestimmt bewegt von dem zunehmend schlechten Zustand meiner Mutter. Bei meinem Vater ging es damals so schnell, der war eben einfach tot. Aber dieses Mal ist es was anderes, es vollzieht sich langsam und schleichend. Das knabbert ziemlich an mir. Das Jahr 2016 wartet also wahrscheinlich mit dem Ende eines Abschieds auf mich. Zum Gl\u00fcck wei\u00df ich, dass ich einige wenige liebe Menschen um mich herum habe, die mir den Kopf gerade r\u00fccken und mich in die richtige Richtung schubsen. Also weiter zu 2015 im \u00dcberblick. Ich bin nun &#8220;fame&#8221; wie meine &#8220;\u00c4lteste&#8221; beim Fr\u00fchst\u00fcck gestern sagte. Seit Beginn des Jahres bin ich im Landesvorstand der SPD, mit der schleswig-holsteinischen Politprominemz auf &#8220;Du und Du&#8221;. Eine Sache, die mich mit viel Stolz erf\u00fcllt, aber auch einiges an Verantwortung birgt. Ich mische mich gern in Dinge ein, die mich bzw. unsere Region betreffen. Seien es die Kita-Elternbeitr\u00e4ge, die Gieselauschleuse, die Erstaufnahme in Albersdorf oder der geliebte Hafen Friedrichskoog. Wahrscheinlich gehe ich allen dabei auf den Wecker, entschuldigt bitte, wenn ich euch SMS zu unm\u00f6glichen Tages- oder Nachtzeiten schicke.<\/p>\n<p>Aber es hat sich was in mir manifestiert, ich bin gerne ein &#8220;Baumpflanzer&#8221;. Ich rege gern zum Denken an. Merkt man vielleicht auch an dem Blog hier, oder? K\u00f6nnte ja auch stumpf &#8220;Pressetexte&#8221; ver\u00f6ffentlichen, aber will ich das? Nein. Sicher, ich trete auch damit Menschen auf den Schlips. Bin aber auch immer gern bereit, mir andere Argumente anzuh\u00f6ren. Viele Menschen haben mein Wirken in der Landespolitik als positiv empfunden und darum habe ich f\u00fcr mich einen Entschluss gefasst. Ich werde eine gewisse Zeit versuchen, meinen Horizont in der Politik zu erweitern. F\u00fcr 2016 m\u00f6chte ich mir w\u00fcnschen d\u00fcrfen, dass wir uns alle mehr zuh\u00f6ren, dass wir uns M\u00fche geben den anderen zu verstehen. Die Augen des Anderen zu nehmen und nicht immer durch die eigene Brille zu sehen. Weitsicht, R\u00fccksicht und Zuversicht, das sollen drei Sichtweisen von mir werden. Vielleicht helft Ihr mir dabei?<\/p>\n<p>Habt alle eine tolle Zeit, lasst euch durch mein griesgr\u00e4miges Gemecker nicht abschrecken. Feiert sicher in das neue Jahr hinein und ich w\u00fcnsche euch Liebe und Gesundheit f\u00fcr Euch selber und alle Menschen die Euch nahe stehen!<\/p>\n<p>P.S.: Es ist \u00fcbrigens total IN Geschenkpapier zweimal zu benutzen, oder es kurz aufzub\u00fcgeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird Weihnachten, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es ist Zeit, sich ein wenig zu sortieren und das Jahr im geistigen Auge an sich vorbei ziehen zu lassen. Ich versuche es einfach mal. Weihnachten, das Fest der Liebe. Schade nur, dass es dazu f\u00fcr viele Leute einen Termin braucht. Liebe nach Terminplan? 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