Dirk Diedrich

Sozialdemokrat

9. Januar 2018

Allgemein/Satire
Hegen Rether — Evolution vs. Revolution

By Richard Huber - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48112847
By Richard Huber - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48112847

Ver­gan­ge­nes Woch­enende hat­te ich das Vergnü­gen den sech­sten Teil von Hagen Rethers Büh­nen­pro­gramms “Liebe” in Hei­de zu sehen. Mit gewohnt spitzer Zunge spal­tet er die Zuhör­erschaft und spitzt seine Pointen zu. Eine wahre Freude diesem Kün­stler des Satzbaus zuzuhören. Drei Stun­den Pro­gramm hat­te er mit­ge­bracht, das die Zuhör­erschaft in allen Facetten begeis­terte. Da kon­nte er grun­zend im Stuhl sitzen, gedanken­ver­loren eine Banane müf­feln, oder aber Don­ald Trump ver­bal die Hose ausziehen.Na, liest sich wie ein Konz­ert­bericht? Irrtum, ich bin ja kein Kul­turberichter­stat­ter, son­dern ein Men­sch, der das auf der Bühne gesagte aufn­immt und irgend­wie tage­lang ver­dauen muss, um sich dann dazu zu äußern. Mir geht es um zwei Begriffe, Rev­o­lu­tion und Evo­lu­tion.

Intro

Die Men­schen steuern auf ihr Ende zu, wenn sie nichts ändern. Dieses Bild ver­mit­telt Hagen Rether uns. Ja, er hat irgend­wie auch nicht Unrecht. Denn die Ressourcen, die wir freimütig her­aushauen lassen ver­muten, als hät­ten wir noch eine zweite Erde im Keller, falls wir diese hier kaputt gespielt haben. Hagen Rether gipfelt mit der Aus­sage, “Ich aber glaube ja eher an die Evo­lu­tion als an die Rev­o­lu­tion.” Diese Aus­sage arbeit­et nun seit dem Woch­enende in mir.

Revolution

Mit Rev­o­lu­tion verbinden die Men­schen meis­tens blutige Umstürze und kein Gefühl was irgend­wie in die eigene Kom­fort­zone passt. Doch, wenn man mal Wikipedia.de befragt zu diesem The­ma, dann ste­ht unter Rev­o­lu­tion:

“Eine Rev­o­lu­tion ist ein grundle­gen­der und nach­haltiger struk­tureller Wan­del eines oder mehrerer Sys­teme, der meist abrupt oder in rel­a­tiv kurz­er Zeit erfol­gt. Er kann friedlich oder gewalt­sam vor sich gehen. Es gibt Rev­o­lu­tio­nen in Herrschaftssys­te­men, in der Wirtschaft, in der Sozialord­nung eines Staates, in der Tech­nik und in der Wis­senschaft.

Als gegen­sät­zlich gel­ten die Begriffe Evo­lu­tion und Reform: Sie ste­hen für langsamer ablaufende Entwick­lun­gen beziehungsweise für Änderun­gen ohne radikalen Wan­del”

Nüchtern betra­chtet ist also eine Rev­o­lu­tion nicht zwin­gend etwas gewalt­sames. Das Wort friedlich ist ein­deutig zu erken­nen.

Evolution

Ich bin ehrlich. Evo­lu­tion ist für mich fast noch neg­a­tiv­er beset­zt als Rev­o­lu­tion, denn ich verbinde mit Evo­lu­tion immer automa­tisch das Sprich­wort: “Die Größeren fressen die Kleineren”, oder aber eine Art Auslese der Besten.  Wikipedia sagt zu Evo­lu­tion:

“Unter Evo­lu­tion (von lateinisch evol­vere „her­aus­rollen“, „auswick­eln“, „entwick­eln“) ver­ste­ht man im deutschen Sprachraum heute in erster Lin­ie die biol­o­gis­che Evo­lu­tion. Darunter wird die allmäh­liche Verän­derung der vererb­baren Merk­male ein­er Pop­u­la­tion von Lebe­we­sen von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion ver­standen. Das Lehr- und Forschungs­ge­bi­et der Evo­lu­tion wird als Evo­lu­tions­bi­olo­gie beze­ich­net und unter­liegt, wie viele andere Wis­senschaften, kon­tinuier­lich neuen Ein­sicht­en, wozu allein schon die Ent­deck­ung neuer Fos­silien oder neuar­tiger Meth­o­d­en beitra­gen kön­nen.”

Vielle­icht muss man dazu noch den Begriff der “Soziokul­turellen Evo­lu­tion” dazu holen. nach­dem ihr hier nun eine Stunde gele­sen habt, stellt ihr fest, dass es auch hier vor­wiegend um eine Beste­nauslese geht. Seien damit nun Men­schen, oder aber Sys­teme gemeint ist erst ein­mal unwichtig.

Evolution contra Revolution.

Ich will für mich mal klar­ma­chen, warum die Gesellschaft in der wir alle so schein­bar friedlich leben sich nicht durch eine Art Evo­lu­tion verän­dern kann. Meine erste These dazu ist eine Meta­pher. Kein Hun­de­fut­ter hat jemals einen Hund gefressen. Wenn dieses zer­hack­te, zur Unken­ntlichkeit zerklein­erte Fleisch aber vor der Tötung, und vor dem Prozess des Zer­hack­ens ein­mal ein Wolf, Krokodil oder son­stiges Tier war, dann wäre es schon möglich.

Puh, was will ich sagen? Es ist also nicht möglich, durch Anpas­sung und Opti­mierung diesen Prozess umzu­drehen. Am Ende frisst der Hund immer das Fut­ter. Auch ist es nicht möglich durch einige genetis­che “Hop­pla” Effek­te aus dem Hun­de­fut­ter ein Raubti­er zu machen.

Der Prozess muss aus sich her­aus auf den Kopf gestellt wer­den.

Wenn die Tiere vor dem Schlachthof also “a pri­ori slaugh­ter­house” erken­nen kön­nten was passiert, und die Tiere auf­begehren, dann kön­nten Sie sich ein­fach ver­weigern und kön­nten dann im schlimm­sten Fall den Hund fressen.

Meine Schlussfolgerung

Es kann also nur durch eine Art Reset, oder Par­a­dig­men­wech­sel, oder wie man das Ding immer nen­nen will geschehen.

  • Die Sozialen Sicherungssys­teme nähren sich nur von der Erwerb­sar­beit. Diese wird in den näch­sten zehn Jahren immer weit­er zurück­ge­hen. Immer mehr Geld ist in anderen Sys­tem unter­wegs. Also Steuern erhöhen und abgle­ichen. Dann alle Men­schen in unserem Sys­tem in einem neuen Sys­tem absich­ern. Wie das auch heißen mag. Die “Rente” jeden­falls hat aus­ge­sorgt.
  • Die Bil­dungssys­teme ori­en­tieren sich immer noch an den klas­sis­chen “Erwerb­s­bi­ografien” die lebens­be­glei­t­end einen Beruf, oder zumin­d­est ein Berufs­feld voraus­set­zen. Bil­dung der Zukun­ft muss Men­schen in die Lage ver­set­zen, dass sie nicht nur Geld ver­di­enen, son­dern eben auch am Entwick­lung­sprozess mitar­beit­en kön­nen. Das Umfeld bewegt sich, da kann der Men­sch nicht der sta­tis­che Fak­tor sein, son­dern muss die Rolle des Gestal­ters haben.
  • Das Geld an sich muss neu gedacht wer­den. Mit unser­er Hände Lohn erwirtschaften wir nur noch einen Bruchteil des gesamt auf dem Markt ver­füg­baren Anteils an Geld. Unternehmen erwirtschaften mit klas­sis­chen Warengeschäften immer weniger Geld. Das meiste Geld wird im “fik­tiv­en” Raum ver­di­ent und gehan­delt.

Wir haben keine Wahl. Die Ressourcen unseres Plan­eten sind endlich. Die Belast­barkeit der Men­schen auch. Eben­so ist eine fatale Nei­d­de­bat­te ent­standen, die die Schwäch­sten der Gesellschaft trifft. Wir brauchen Ideen wie wir in 20 Jahren zusam­men leben wollen.

Ich habe keine Lust, dass meine Kinder auch als Hun­de­fut­ter enden! Demokratis­che Rev­o­lu­tion, jet­zt!

Lest gerne andere Artikel von mir hier zum The­ma Ver­trauen

Ein Kommentar

  1. Sapere Aude
    Und alles wird gut!
    Wir haben alles zur Ver­fü­gung was wir brauchen, wir müssen es nur noch tun. Das einzig verbliebene Prob­lem ist, dass “Wir” nicht die notwendi­ge Gestal­tungs­macht haben, diese liegt in den Hän­den, der­jeni­gen weni­gen, die schon alles besitzen und nichts ver­lieren wollen.
    Sys­temkon­form soll­ten Parteien uns die Verän­derung ermöglichen.
    Verbleibt die Frage ziehen die Parteien mit oder haben wir ein zusät­zlich­es Prob­lem?

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