Dirk Diedrich

Sozialdemokrat

14. Februar 2018

Allgemein
Erklären Sie mir mal die Lage Diedrich

Dirk Diedrich
Foto: Dirk Jacobs

Eigentlich liebe ich es Sachen zu erk­lären, son­st wäre ich wohl nicht Lehrer gewor­den. Obwohl noch mehr liebe ich es Neugi­er zu weck­en. Men­schen soll­ten sel­ber auf Lösun­gen kom­men. Aber nun bin ich wohl echt in Erk­lärungsnot.

Was an der Parteispitze sel­ten so wahr genom­men wird trifft ja öfters als gedacht ein. Völ­liges Unver­ständ­nis über die Entschei­dun­gen. Nicht zwin­gend, weil man die Men­schen nicht mag, aber zwin­gend, weil man ein­fach nicht den Infor­ma­tion­s­stand hat um Lagen sach­lich zu betra­cht­en.

So kam mein kleines dith­marsch­er Herz leicht aus dem Trab als ich hörte, dass Mar­tin Schulz nun vor dem Mit­glieder­vo­tum den Parteivor­sitz abgeben will. Ich war trau­rig und wütend zugle­ich. Warum jet­zt, dachte ich. Total über­flüs­sig. Und ja ich hätte erwartet, dass er seine Sache nun durchzieht. Er wollte diesen Koali­tionsver­trag, dann soll er auch dafür sprechen. Die Mit­glieder entschei­den das dann. So ist Demokratie. Anschließend kön­nen dann alle ihre Schlüsse daraus ziehen.

Andrea Nahles ist für mich auch nicht das Prob­lem. Ich kenne sie ja nicht per­sön­lich. Ich kenne nur das Bild, welch­es durch die Presse nach unten ver­mit­telt wird.  Das Prob­lem ist, dass die Partei am Bun­desparteitag im Dezem­ber eine Urwahl des Postens Vor­sitz/Kan­zlerkan­di­dat-in bere­det hat. Klar, waren ja noch zwei Jahre Zeit darüber nachzu­denken. Nun — bumms — ist die Zeit darüber nachzu­denken eine-n Vor­sitzende-n zu wählen. Die Basis denkt was? Klar, das wird nun ja n biss­chen in Ruhe und basisidemokratisch passieren. Doch weit gefehlt. Die Kür ein­er Einzel­be­wer­berin erin­nert an das, wie es immer war. Ist das dieses #SPDerneuern, oder ist das eher ein #SPDweit­er­so?

Das war jeden­falls der Grund, warum ich let­zte Woche den Tweet zum The­ma Nahles raus­ge­hauen habe. Und ja auch auf Face­book hab ich was dazu geschrieben. Unüber­legt? Möglich wäre es. Aber was ist ein Satz wert, wenn man sich nicht an ihn gebun­den fühlt? Was zählen Worte, wenn mein gegenüber sowieso im umdrehen etwas anderes tut als er sagt?

Dann holen mich am 13.2. meine Worte ein wenig ein. “Dirk, Du musst Dich bewer­ben.” oder “Schreib endlich an den PV.” So hagelte das auf mich ein. “Nein” — Das ist meine knappe Antwort dazu. Warum bewerbe ich mich nicht?

Es ist ein­fach: Ich will eine Basis­demokratis­che Entschei­dung.  Wie bekomme ich das hin, wenn der Parteivor­stand keine Urwahl will? Es geht…durch die Brust ..über die Leber …ins Herz.… Also, meine Idee: Jede Organ­i­sa­tion hat ein Vorschlagsrecht. Wenn nun die Ortsvere­ine mich, oder einen der tausend anderen fähi­gen Men­schen, vorschla­gen, dann müssen sie in den Diskurs mit ihren Delegierten kom­men. Die Kreis- und Unter­bezirke wer­den mit den Men­schen reden, deren Stimme sie vertreten auf dem Bun­desparteitag in Wies­baden. Dieses Ver­fahren ist ein aktives Ver­fahren in der Poli­tik. Ein Bot­tom-Up, wie man auf neudeutsch sagen kön­nte. (Herr Wag­n­er von der DLZ verzieht ger­ade die Mund­winkel)

Also: Ich biete mich als Alter­na­tive an. Eine “Wahlmöglichkeit”. Die Ortsvere­ine sind min­destens genau so SPD wie unsere 50 besten Poli­tik­erin­nen und Poli­tik­er. Den­noch hän­gen wir hier an der Basis immer mit im Dilem­ma, wenn da unter den TOP 50 irgen­det­was komisch läuft. Wir in SH haben Kom­mu­nal­wahl im Mai und ich habe null Kom­ma gar keine Lust dauernd zu arbeit­en und irgend­je­mand reißt meine Arbeit wieder um. Meine gesamte Freizeit geht für die Partei drauf, weil ich die Partei liebe, und sie für mich die größte gesellschaftliche Errun­gen­schaft ist. Die Basis ist mutig! Viel mutiger und größer als wir oft glauben. Darum: Sel­ber machen.

Wir leben in der Post-Schröder-Blair Ära. Die Sätze: Wir müssen den Gür­tel enger schnallen und verzicht­en, klin­geln noch in unseren Ohren.  Nein, wir sind fast eine halbe Mil­lion starke, selb­st­be­wusste Men­schen, die wis­sen was sie wollen. Jed­er von uns schreibt und buch­sta­biert die Sozialdemokratie anders. Aber wir sind weit davon ent­fer­nt diese pas­sive Rolle zu behal­ten. Das, was im Moment in der SPD passiert sollte wed­er von anderen Parteien, noch von der Presse belächelt wer­den. Es nen­nt sich Demokratie, sie ist das höch­ste Gut des selb­st­bes­timmten Men­schen. Solange auf unserem Plan­eten täglich Men­schen im Kampf um die Demokratie ster­ben ist jedes “Witzemachen” um unsere Partei unange­bracht.

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10 Kommentare

  1. Tietz Maik sagt:

    Ja mit Schröder und Agenda2010 haben wir den gerecht­en sozialen Weg ver­lassen und egal wer den Vor­sitz übern­immt so lange wir nicht wieder die Partei der kleinen Leute wer­den und Agen­da abschaf­fen sowie gerechte Umverteilung von oben nach unten wer­den wir keine Wahl gewin­nen. Die Wäh­ler hat­ten in der let­zten Leg­is­laturpe­ri­ode eine Linke Mehrheit im Bun­destag gewählt genutzt haben wir es nicht. Es muss eine Urwahl geben wo die Basis entschei­det wohin und mit wem die Reise geht viele wollen wieder die Partei wer­den bevor Schröder und Agenda2010 kamen und wir wirk­lich für soziale Gerechtigkeit gesorgt haben. Soll­ten die Parteiführung und Prä­sid­i­um am 22.April in Wies­baden nicht deut­lich auf die Basis zuge­hen sehe ich die alte Tante SPD vor der Spal­tung wir wollen dieses Schmierenkomödie nicht mehr hin­nehmen und mehr Mit­sprache damit wir uns wieder glaub­würdig machen beim Wäh­ler.

  2. Angelika Kämper sagt:

    Ja, trau­rig und wütend 😔😡 , das passt voll und ganz.
    Ein­fach in die Offen­sive gehen und sagen da ste­he ich jet­zt zu PUNKT. Jed­er hat das Recht auf Mei­n­ungsän­derung, auch unser Mar­tin 🤔.
    Anson­sten, habe alles von Ihnen durchge­le­sen und stimme Ihnen voll zu. Es gibt noch so vieles mehr was nicht
    mehr passt 😡. Habe selb­st einiges in den let­zten 6 Jahren erlebt (bin Jahrgang 1957 und voll, weil zu alt, aus dem Sys­tem gefall­en), und so vieles nicht mehr ver­standen.
    Ich drücke ihnen die Dau­men, ganz dolle !!!
    Liebe Grüße nach Nord­deutsch­land
    aus Süd­deutsch­land von ein­er
    ehe­ma­li­gen Wup­per­ta­lerin (eigentlich SPD Land, jet­zt lei­der nicht mehr 😡)
    von einem SPD Mit­glied
    Ange­li­ka Käm­per
    👍👍👍👍

  3. Sehr geehrter Herr Diedrich,

    ich kann und will Ihnen nicht ers­paren, auch eine gegen­teilige Mei­n­ung aus NRW zu servieren. Der Ein­fach­heit hal­ber ver­weise ich dafür auf die heutige (14.02.2018) Aus­gabe der Online- Aus­gabe der Rheinis­chen Post, die Foren für Nutzer offen­hält. Sie find­en mich dort unter dem Sie betr­e­f­fend­en Beitrag unter “barom­e­ter”..

  4. Henne sagt:

    Die vie­len Kom­mafehler und etliche Deutschfehler stören.

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