Dirk Diedrich

Sozialdemokrat

15. Februar 2018

Allgemein
Die Revolution frisst ihre Kinder.…

Als Lehrer ist man ja gehal­ten ein wenig Selb­stre­fek­tion zu üben. In dem Sinne, “Was habe ich getan, was habe ich erre­icht, und was muss ich verän­dern.” Ich will mal Tag acht nach meinem ver­häng­nisvollem #Tweet Revue passieren lassen. Was habe ich gemacht? Ich habe in meinem Wohnz­im­mer Twit­ter rel­a­tiv maulig mich dazu geäußert, dass ich diese “kom­mis­sarische” Ein­set­zung von Andrea nicht gut heißen kann.

Selbstreflektion:

Was habe ich getan?

Dann, einen Tag später in mein­er nicht öffentlichen Face­book­seite das Ganze etwas weniger maulig wieder­holt. Ein State­ment, das sich an die Ortvere­ine richtet. Na ja, hab ich ja gestern aus­führlich in meinem Blog erk­lärt.

Was habe ich erreicht?

Viel. Vieles, was ich wollte, zu viel was ich nicht wollte.

  • Als erstes habe ich erre­icht, dass inner­halb der Partei disku­tiert wird. Ich mag Diskus­sio­nen.
  • Es kan­di­dieren nun bere­its zwei weit­ere Men­schen, die mit Sicher­heit um Län­gen schlauer und erfahren­er (dick­fel­liger) sind als ich.
  • Ich ste­he auf ein­mal über­all in der Zeitung, teils vorteil­haft, teils unvorteil­shaft (Nun, einen pro­fes­sionellen Fotografen hab ich ja nicht, und schon gar nie­man­den der im Chaos meines Rech­n­ers in 2 Minuten ein brauch­bares Bild find­et.)
  • Man redet mit mir. Das ist gut, birgt aber Gefahren, da ich aus meinem Herzen keine Mörder­grube mache.
  • Man mailt mir. Ich bekomme gern Post. Was ich aber nicht mag ist, wenn ich keine Zeit zum Antworten habe.  Es ist mir wichtig mit jemand zu reden, wenn er mich schon anschreibt.
  • Man beschimpft mich. Nein, das tut weh, weil es mir an die Nieren geht. Mit welchem recht beschimpft man fremde Men­schen die man nicht ken­nt? Ihr tut mir weh, und es wäre nett, wenn ihr das lassen kön­ntet.

Was habe ich daraus gelernt?

Auf jeden Fall sind die in der Presse erwäh­n­ten “Chaostage” ein wenig insze­niert. Ob sich die Presse, oder die Welt wirk­lich nach so viel Durcheinan­der sehnt weiß ich nicht. Vor ein paar Jahren wäre es scheiß egal gewe­sen ob ein Stu­di­en­rat aus Hei­de sagt, dass er sich auf einem Bun­desparteitag zur Wahl stellt. Nie­mand hätte das auch nur als Rand­no­tiz wahrgenom­men. Ich wäre dann wahrschein­lich ein­fach wieder unter “meinen Stein gekrochen” ( Zitat aus ein­er liebevollen Mail eines Fre­un­des der SPD).

Aber in den heuti­gen Zeit­en bist du 24h nach Bekan­ntwer­den ein­er solchen Äußerung in allen Medi­en. Leute, habt ihr nichts wichtigeres zu tun? In Ameri­ka star­ben heute wieder Men­schen, und ich bin fas­sungs­los. Das beschäftigt mich. Da hab ich keine Lust mir Gedanken zu machen, wer da irgen­deine Sau braucht, die er durch das Dorf treiben kann.

Seit ewigen Jahren twit­tere ich vor mich hin. Wenn ich mich freue, wenn ich sauer bin… egal, ich hau alles raus. Es ist ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis. Ich kann alles lesen, allen antworten. Sog­ar zeit zum Lesen mein­er TL (neu­modisch für Time­line) hab ich. Zu Geburt­sta­gen grat­ulieren. Hier gute Besserung wün­schen, da ein wenig poli­tisch sticheln… Alles Ver­gan­gen­heit. Eine Stunde nicht auf das Smart­phone geschaut, schon ste­ht da 99+ bei den Men­tions. Da bleibt nur durch­scrollen und ein paar Herzen verteilen. Leute, das will ich nicht.

Wenn ich Face­book auf­mache und meinen per­sön­lichen Account und die Grup­pen durch­forste, dann sprin­gen mir lei­der die würzi­gen Beiträge der Häme ent­ge­gen. Natür­lich bekomme ich auch liebe Worte. Aber auss­chließlich von Men­schen die mich wirk­lich ken­nen. Der Rest liest sich entwed­er über­he­blich, oder abfäl­lig. Ist das wirk­lich die Gesellschaft heute? Oh man. Ich glaube ich lebe zu lange in mein­er “Fil­terblase” (Heimat, Umfeld in diesem Fall).

Mails trudeln hier ein. Ist ja heute schon nor­mal, dass jed­er Men­sch für sich das Recht raus nimmt seinen Gedanken in Mails an alle Adressen die er erwis­chen kann freien Lauf zu lassen. Einige Mails habe ich lieber nach dem lesen gelöscht. Nicht, weil ich nicht antworten wollte, ich kon­nte es nicht, denn ich musste den Inhalt erst ein­mal ver­dauen. Meine Gedanken kreis­ten um Erziehungs­fra­gen, Anstand und gegen­seit­i­gen Respekt. Würg­ere­flex.…

Das Tele­fon ist genau so ein komis­ches Instru­ment. Jo, ich hab meine Num­mer im Netz. Wie soll ich son­st für die Wäh­lerin­nen und Wäh­ler in meinem Wahlkreis da sein? Nun, jeden­falls gehe ich ran, wenn es klin­gelt… Nein, ich bin kein Sor­gen­tele­fon für alle Prob­leme der Welt. In Dith­marschen würde man sagen “Mir wächst kein Gras aus der Tasche”. Sich­er höre ich gern zu, aber ich bin nicht Google. Wer auf alles eine Antwort haben will, der muss bei Kai anrufen. Doch spätestens, wenn man mich am Tele­fon anpö­belt ist bei mir der Bock fett. Echt, das muss nicht sein. Das will ich nicht. Wäre lieb, wenn man sowas lässt.

Ich bin im Moment nix in diesem Land. Ich bin nicht wichtiger als unser Bäck­er oder son­st wer. Ruft ihr den an?

Let­zter Satz: Siehe Titel.

(Und an den net­ten Men­schen, der mir meine man­gel­nden Deutschkennnisse und fehlende Vor­bild­funk­tion vorhielt, wenn sie Fehler find­en, behal­ten Sie die gern.)

4 Kommentare

  1. Simon Klaus sagt:

    Dirk du bist ein toller Men­sch. Danke das es dich gibt.
    Simon Klaus

  2. Erik Butz sagt:

    Dirk du hast meine höch­ste Wertschätzung. Bleib bitte so wie du bist.

    Erik Butz

  3. Gabriele sagt:

    Das du so sauer bist, liegt jet­zt aber an wem?
    Kan­di­dierst du denn jet­zt nicht mehr für den SPD-Vor­sitz?
    Ich dachte, dass hättest du vor.

    Meinst du, du hättest den Druck (das hört sich nach fiesem Druck an) gekriegt, weil du maulig und weniger maulig über Andreas Kan­di­datur geschrieben hast?

    Das wäre allerd­ings ein Ding.
    Es geht let­ztlich um die Unversehrtheit des Mei­n­ungsäußern­den, dich hat, glaube ich das gle­iche getrof­fen, was jed­er Jour­nal­ist jeden Tag erleben muss.

    Ich hoffe, du bleib­st Twit­ter treu und deinem Ziel bei der SPD!

    Alles Liebe, Gabriele Flüchter Berlin

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