Dirk Diedrich

Landesvorstand SPD Schleswig-Holstein

12. September 2017

Allgemein/Dithmarschen/Heide/Pressemitteilung
Bildungskosten — Wo bleibt die Revolution?

Bil­dungskosten, das Wort an sich gefällt mir schon nicht wirk­lich. Nun, warum schreib ich schon wieder was? Das Sta­tis­tis­che Bun­de­samt hat im Feb­ru­ar die bun­desweit­en Bil­dungskosten 2014 veröf­fentlicht. Dort wird sehr anschaulich beschrieben wie viel Geld ein Land in jede Schü­lerin und jeden Schüler investiert. 

Der Stand 2005

Rel­a­tiv homogen startet die Über­sicht. Alle Bun­deslän­der liegen irgend­wie um die 5000 Euro pro Kopf, pro Jahr. Spitzen­re­it­er Ham­burg mit 5400 Euro und Schlus­slicht Saar­land mit 4500 Euro pro Kopf. Die restlichen Bun­deslän­der tum­meln sich irgend­wo in der Mitte. Nun hören wir von allen Poli­tik­ern seit Jahren, dass mehr in Bil­dung investiert wer­den soll. Per­fekt, mag man denken. Wenn man die Zahlen ansieht, dann geht es aufwärts. Bun­desweit sind die Aus­gaben bis 2014 um 1800 Euro pro Kopf gestiegen. Einige Bun­deslän­der, wie Bay­ern sog­ar um 2900 Euro oder Thürin­gen um 2400 Euro. Leselink HIER

2014

Wie eben angedeutet ist der Trend steigend. Aber es gibt auch Län­der, die deut­lich weniger finanziellen Spiel­raum in den knapp 10 Jahren hat­ten. So schafften das Saar­land nur 1200 Euro, und Schleswig-Hol­stein schaffte es unter der bun­des­deutschen “Schulden­bremse” nur auf 1000 Euro mehr. Lei­der reichte der lokale Kraftakt nicht, um sich von der Schlußlicht­po­si­tion zu lösen. Zur Zeit liegen wir im Nor­den ganz hin­ten. Klar, die Sozis waren in den let­zten Jahren in der Ver­ant­wor­tung, aber wenn man bedenkt, dass andere Bun­deslän­der seit 2004 kon­tinuier­lich investiert haben, und bis 2009 hier in SH nicht ein Euro mehr aus­gegeben wurde, dann ver­ste­ht man, dass dieser Abstand nicht so leicht aufzu­holen ist. Denn Geld im Über­fluss ste­ht dem Bun­des­land zwis­chen den Meeren nicht zur Ver­fü­gung.

Analyse

Also, die Bil­dungsaus­gaben pro Kopf liegen irgend­wie im Bun­dess­chnitt im Moment bei 6700 Euro pro Kopf und Jahr. Im Schnitt rechne ich ein­fach mal mit 10 Schul­jahren, weil es ein­fach­er ist. Die schulis­che Aus­bil­dung eines Men­schen im Land kostet also 67000 Euro. Diese Zahl sei nun mal unsere Bemes­sungszahl, an der wir alles Weit­ere analysieren. Bitte nicht hochwis­senschaftlich, son­dern ein­fach mal soooo, fix auf einem Bierdeck­el (Andere haben so Steuerkonzepte ver­sprochen). Wir arbeit­en vom Ende ein­er Ausbildung/Studium mit im Mit­tel 23 Jahren bis zur Rente im Moment 44 Jahre. In dieser Zeit erwirtschaften wir, wenn ich mal einen gerun­de­ten Mit­tel­w­ert der Verteilungskurve von 30000 Euro pro Jahr annehme also eine Summe von: 1.320.000 Euro. Das ist ne ganze Menge, denke ich. Von diesen etwas mehr als 1,3 Mil­lio­nen Euro zahlen wir Steuern, Rente etc. Gepeilt ca 22 % Steuern, das wären: 290400 Euro. Dazu unge­fähr die selbe Summe in die Rente. Die unge­fähre Hälfte in die Arbeit­slosen­ver­sicherung und so weit­er. Das ist Geld, dass der Staat also von uns zur Ver­fü­gung gestellt bekommt um seine Staat­sauf­gaben zu erledi­gen, bzw so anzule­gen, damit wir im Alter, oder im Not­fall abgesichert sind.

Das kann man toppen

Wenn ich nun im Schnitt von 20 Mil­lio­nen Men­schen aus­ge­he, die voll im Erwerb ste­hen (es sind ein paar mehr, aber ich finde die Tabelle nicht), dann haben diese 20 Mil­lio­nen Men­schen im Erwerb­sleben 26.400 Mil­liar­den Euro ver­di­ent und, 5808 Mil­liar­den Steuern gezahlt.

Plan­spiel

Stellen wir uns vor die Bil­dungsaus­gaben wür­den so super erhöht, dass die Men­schen bess­er gebildet und flex­i­bler aus­ge­bildet in bessere Jobs ger­at­en. Angenom­men, das Durch­schnitt­seinkom­men steigt durch diese tolle Bil­dungspoli­tik und durch die dann brum­mende Wirtschaft auf 40000 Euro im Jahr. das wären dann 1.760.000 Euro, bzw 387200 Euro Steuern im Erwerb­sleben eines Einzel­nen. Auf alle gerech­net 7740 Mil­liar­den Euro. Also Mehrein­nah­men für den Staat in Höhe von knapp 2000 Mil­liar­den in 44 Jahren. Der Staat kön­nte also.….

Rev­o­lu­tion

Ja, er kön­nte: Jedes Jahr 44 Mil­liar­den MEHR für Bil­dung aus­geben! Das nach mein­er Milch­mäd­chen­rech­nung bei momen­tan 11 Mil­lio­nen Schü­lerin­nen und Schülern ein plus von 4000 Euro. So, und nun im Ernst, wenn die Bil­dungsaus­gaben in 100-Euro Schrit­ten pro Jahr steigen, wie soll da was bess­er wer­den?

Wer hin­dert uns daran dafür zu stre­it­en, dass wir diese Idee weit­er ver­fol­gen. Lasst uns begin­nen, wer hält uns auf?

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Ein Kommentar

  1. C.-A. Strauß sagt:

    Wer hält uns auf?
    Men­schen, die Dinge gut aus­sitzen kön­nen. Men­schen, die keine Änderun­gen am Sta­tus Quo wollen oder ertra­gen kön­nen. Und Men­schen, denen ein­fache Lösun­gen zu ein­fach sind. Wo kämen wir denn da hin, wenn auf ein­mal jed­er begriffe, worum es geht und auf ein­mal eine Mei­n­ung dazu haben kann?! Den­noch:
    Warum soll­ten auf ein­mal alle mehr Geld ver­di­enen, nur weil alle bess­er (aus-)gebildet wären? Da scheint mir ein Logik­fehler ver­steckt zu sein… Auf der anderen Seite:
    Wer bish­er durchs Raster fiel und durch eine solche Änderung am Sys­tem auf ein­mal einen Abschluss und eine Beruf­stätigkeit erhielte, für den käme diese Steigerung sehr wohl in Betra­cht. Und dazu eine Erspar­nis an fast 50 Jahren Trans­fer­leis­tun­gen. Geschätzt / gerun­det 10.000,-€ im Jahr / 500.000,-€ über das gesamte Leben? Wenn das nicht mal eine lukra­tive Gel­dan­lage ist! Und neben­bei ein deut­lich­es Zeichen, dass nie­mand zurück­ge­lassen wer­den soll und jed­er ein Recht auf ein selb­st bes­timmtes Leben und Erfül­lung und Bestä­ti­gung durch Arbeit und Lohn für Leis­tung — finanziell wie emo­tion­al — hat.
    Also:
    Ich bin dafür!

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