Dirk Diedrich

Sozialdemokrat

23. Mai 2017

Allgemein/Dithmarschen/Heide
Beerdigung: Die Würde des Menschen — vs “stillen Abtrag”

Dirk Diedrich
Foto: Dirk Jacobs

Die Zeit­en, in denen wir als Gesellschaft die Keimzelle “Fam­i­lie” in der Form eines Clan­ver­bands lebten sind lange vor­bei. Wir sind Arbeit­sno­maden, die zum Broter­werb durch das Land, ja durch die ganze Welt ziehen. Auf der Suche nach Selb­stver­wirk­lichung und Erfolg. Was bleibt sind ver­streute Fam­i­lien, und nicht sel­ten Men­schen, die irgend­wann alleine in ein­er Sozial­woh­nung oder in einem Heim sitzen.

Beerdigung und Würde

Sich­er, ich zeichne ein über­spitztes Bild, ja. Unter Umstän­den bin ich auch zu melo­drama­tisch, auch das ist möglich. Aber, ich denke mir, was denkt ein Men­sch, wenn er die let­zten Jahre seines Lebens alleine ist? Alles hat er gegeben. Sein Leben an die Gesellschaft, seine Liebe an die Fam­i­lie, oder wie auch immer. Dieser Men­sch wird irgend­wann darüber nach­denken wie sein let­zter Weg sein wird. Die Krankenkassen haben 2004 das Ster­begeld abgeschafft (krass eigentlich, aber wir nehmen das ja so hin). Was fol­gt ist ein “stiller Abtrag”. Einäsch­ern, Entsor­gen. Der Men­sch, behan­delt wie ein Gebrauchs­ge­gen­stand, der entsorgt wer­den muss. Jet­zt ist es Zeit etwas kleines in der Kom­mune zu tun. Ich möchte, dass alle Ratsmit­glieder informiert wer­den, wenn ein Mit­glied unser­er Gemeinde stirbt und eine kom­mu­nale Beiset­zung ange­ordert wird, weil kein Men­sch mehr da ist, der sich um diese ver­stor­bene Per­son küm­mern kann. Nun komme ich wieder zu dem Men­schen, der da in sein­er Ein­samkeit sitzt und lebt. Ja, dieser Men­sch wird sich fra­gen: “Bin ich auf meinem let­zten Weg alleine?”

Nein, es muss nicht sein, dass dieser Men­sch den Weg alleine geht. Ich will, dass wir die Würde des Men­schen acht­en und ihn begleit­en. Sicher­lich wer­den es nicht immer alle sein, die da hin gehen kön­nen, aber ein paar Men­schen, die sich erin­nern und Gedenken! Alles was von uns bleibt sind Men­schen, die sich an uns erin­nern. Ich weiß, es ist ein komis­ches The­ma, aber ich kann nicht anders.

 

Ich hab hier den Antrag­s­text ein­mal für Euch. Im wesentlich speist er sich aus dem Artikel:

Antrag der SPD-Frak­tion

„Die Ver­wal­tung möge bitte die Ratsmit­glieder, und die Öffentlichkeit, über die „Stillen Abträge“ informieren, damit Ratsmit­glieder und Hei­der Bürg­erin­nen und Bürg­er zu den stillen Beiset­zun­gen gehen kön­nen.“

 

Die Zeit­en, in denen wir als Gesellschaft die Keimzelle „Fam­i­lie“ in der Form eines „Clan­ver­bands“ lebten sind lange vor­bei. Wir sind Arbeit­sno­maden, die zum Broter­werb durch das Land, ja durch die ganze Welt ziehen. Auf der Suche nach Selb­stver­wirk­lichung und Erfolg. Was bleibt sind ver­streute Fam­i­lien, und nicht sel­ten Men­schen, die irgend­wann alleine in ein­er Sozial­woh­nung oder in einem Heim sitzen.  Aber, was denkt ein Men­sch, wenn er die let­zten Jahre seines Lebens alleine ist? Alles hat er gegeben. Sein Leben an die Gesellschaft, seine Liebe an die Fam­i­lie, oder wie auch immer. Dieser Men­sch wird irgend­wann darüber nach­denken wie sein let­zter Weg sein wird. Die Krankenkassen haben 2004 das Ster­begeld abgeschafft. Was fol­gt ist ein „stiller Abtrag“. Einäsch­ern, Entsor­gen.

Anzahl der Bestat­tungs­fälle / Stadt Hei­de:

 

  • 2015 – 38 Ster­be­fälle, davon 16 ander­er Wohn­sitzge­mein­den
  • 2016 – 39 Ster­be­fälle, davon 18 ander­er Wohn­sitzge­mein­den
  • 2017 – bish­er 23 Ster­be­fälle, davon 12 ander­er Wohn­sitzge­mein­den

 

Der Men­sch, behan­delt wie ein Gebrauchs­ge­gen­stand, der entsorgt wer­den muss. Jet­zt ist es Zeit etwas Kleines in der Kom­mune zu tun. Die SPD Frak­tion wün­scht sich, dass alle Ratsmit­glieder informiert wer­den, wenn ein Mit­glied unser­er Gemeinde stirbt und eine kom­mu­nale Beiset­zung ange­ordert wird, weil kein Men­sch mehr da ist, der sich um diese ver­stor­bene Per­son küm­mern kann. Nun komme ich wieder zu dem Men­schen, der da in sein­er Ein­samkeit sitzt und lebt. Ja, dieser Men­sch wird sich fra­gen: „Bin ich auf meinem let­zten Weg alleine?“

Nein, es muss nicht sein, dass dieser Men­sch den Weg alleine geht. Ich will, dass wir die Würde des Men­schen acht­en und ihn begleit­en. Sicher­lich wer­den es nicht immer alle sein, die dahin gehen kön­nen, aber ein paar Men­schen, die sich erin­nern und Gedenken! Alles was von uns bleibt sind Men­schen, die sich an uns erin­nern. Ich weiß, es ist ein komis­ches The­ma, aber ich kann nicht anders.

Mit fre­undlichen Grüßen

 

Dirk Diedrich

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2 Kommentare

  1. Simon Klaus Korn sagt:

    Dirk du hast damit so recht 👩‍⚖️. Auch ich habe das schon so erlebt. Und es ist all­ge­gen­wär­tig. Wir müssen auch dort hin­schauen. Und etwas unternehmen.
    Denn die Würde des Men­schen ist unan­tast­bar.
    Gruß
    Simon Klaus Korn
    Mit­glied SPD Old­en­burg

  2. Manfred Paulsen sagt:

    Lieber Dirk, das ist kein über­spitztes Bild!! Du weißt da bin ich ganz bei Dir, ich habe es schon erlebt. Unsere Gesellschaft ist sehr abges­tumpft, hier ster­ben Men­schen die erst nach Monat­en gefun­den wer­den. Nicht weil Sie ent­führt wur­den, nein weil Sie ein­fach ganz still gestor­ben sind.
    Ich kann Dir sagen wenn man das weiß, dass die ober­fläch­lichen Men­schen viel zu hoch bew­ertet wer­den. Fängt man neu an zu sortieren und man wun­dert sich das einige ganz nor­male unschein­bare Men­schen ein viel größeres Herz haben.

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